Nachdem Jeff Danna im letzten Jahr mit seiner subtilen, sehr inspiriert ausgefallenen Vertonung des Bibelfilms The Gospel of John reichlich positive Kritik einheimste, lieferte er nun mit der actionlastigen Musik zum Horrorreißer Resident Evil: Apocalypse eine im Vergleich zum Gospel-Score stilistisch völlig andersartig gelagerte Filmuntermalung: Danna, dessen Kompositionen bislang hauptsächlich von entspannten, stark ethnisch angehauchten New Age-Klängen geprägt waren, schuf zur Fortsetzung der Computerspiel-Verfilmung Resident Evil eine brutal-aufbrausende, zeitgemäß-modern gehaltene Filmmusik, in der auch synthetischen Elementen eine nicht unbedeutende Rolle zuteil wird. Experimentelle, collagenartige Synthesizer-Klangflächen und reißerische E-Gitarren-Einlagen prallen hier auf handwerklich solide gearbeitetes Actionscoring, welches vom Philharmonia Orchestra of London lautstark präsentiert wird. Auch leitmotivische Ansätze sind vorhanden (das brachiale, crescendo-förmige Hauptmotiv findet sich z.B. in den Cues „The Nemesis Vs. S.T.A.R.S." und „The Nemesis Is Awakened"), wenngleich diese auch nur in recht spärlicher Form ausgearbeitet und entwickelt werden.
Insgesamt entpuppt sich Dannas aktuelle Arbeit als recht passabel gefertigte Filmvertonung, deren modern-fetziges Klangkonzept sicher bei vielen Hörern für kurzweilige Unterhaltung sorgen wird. Die Synthese aus elektronischem Klangdesign und orchestralen Elementen fällt sogar stellenweise recht hörenswert aus. Eine Bewertung zwischen akzeptablen 2,5 und soliden 3 Punkten dürfte hier angemessen sein, wobei man angesichts des wenig eigenständigen, letztlich austauschbaren Actionscorings und der etwas enttäuschend geratenen motivischen Durchdringung der Musik auch bei erstgenannter Wertung verbleiben kann.
Sebastian Schwittay, 25.11.2004