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Rezensionen - Lord of the Rings: The Two Towers, The
 


Howard Shore
-

The Two Towers ist in filmischer und musikalischer Hinsicht der schwächste Teil der Herr der Ringe-Trilogie. Zumindest Ersteres lässt sich mit den generellen Schwierigkeiten erklären, die sich sowohl aus der literarischen Vorlage, als auch dem dramaturgischen Problem ergaben, dass der Film – zwangsläufig – weder „Anfang" noch „Ende" hat. Weiterhin mussten ganze drei Handlungsstränge in sich stimmig erzählt und so miteinander verknüpft werden, dass jede dieser Ebenen für sich genommen nicht an Wirkung und Spannung einbüßte. Tatsächlich liegt genau da der Schwachpunkt des Films: Die glaubwürdige Charakterentwicklung und der Erzählduktus der Vorlage gehen in den zusätzlichen Action-Szenen (etwa dem Warg-Angriff) sowie zusätzlichen Locations (Osgiliath) bisweilen völlig unter. Auch manche Änderungen in Bezug auf die Eigenarten und Motivationen der Charaktere (Gimli, Faramir) fallen so zwiespältig wie unnütz aus.

Dennoch hat The Two Towers viele positive Seiten: Landschaften, Kulissen und Schlachten-Panoramen entfalten abermals eine dichte, mitreißende Atmosphäre. Außerdem wartet der Film mit dem ersten realistisch wirkenden und agierenden Charakter auf, der vollkommen aus dem Computer generiert wurde: Gollum, der prompt zum Publikumsliebling und überhaupt einem der „charmantesten" Bösewichte der letzten Zeit avancierte.

Howard Shores filmmusikalischer Beitrag unterscheidet sich in seinen epischen Proportionen nicht von den anderen Teilen: Erneut bedient sich der Komponist eines großen Orchesters, mehrerer Chöre und Solisten, um die verschiedenen Facetten von Tolkiens Mittelerde einzufangen, wobei der Sprach-Pathos der Bücher in Shores dramatischen, höchst bombastische Partituren sicherlich eine angemessene Entsprechung gefunden hat. Shores musikalisches Konzept bestand darin, eine traditionelle, spätromantische Tonsprache um (unterschiedlich stark ausgeprägte) Elemente mittelalterlicher Musik und gelegentliche Weltmusik-Einklänge zu erweitern. Das Resultat sind in Melodik und Harmonik eingängig und einfach gehaltene, archaische und wuchtige Partituren, die komplexere Homophonie oder gar Polyphonie weitestgehend vermeiden.  Auf Tonträger büßen die Kompositionen zu Die Gefährten und Die Rückehr des Königs kaum an Wirkung ein, in beiden Fällen liegen gut geschnittene Hör-Alben vor, bei denen die Balance aus Bombast und stärker Lyrischem, aus Orchestralem und Vokalem mehr als gut gelungen ist.

Bei The Two Towers hat Howard Shore sein musikalisch Konzept mit der größten Konsequenz verfolgt, was leider in Teilen auf Kosten der Klangästhetik sowie dem kompositorischen Wert an sich geht. Denn obwohl der Score neue und gelungene thematische Gedanken präsentiert, macht er insgesamt doch den Eindruck, wesentlich grobschlächtiger und simpler gearbeitet zu sein als Vorgänger und Nachfolger. Teilweise ist diese Einfachheit filmisch motiviert, so untermalt das zentrale neue Thema das bäuerlich lebende Volk von Rohan. Das häufig von der norwegischen Hardinger-Fiedel vorgetragene, leicht wehmütige Thema hat eindeutig einen nordischen Touch („The King Of The Golden Hall") und durchläuft darüber hinaus in Form von Variationen eine fortlaufende Entwicklung. Es eignet sich dann, von Blechbläsern vorgetragen, durchaus auch als heroische Fanfare („Forth Eorlingas") oder als noble Hymne („The Hornburg"). Schlicht, aber trotzdem reizvoll und – in diesem Falle – tatsächlich authentisch mittelalterlich fallen einige Passagen aus, in denen der Komponist nur eine einzige freie Melodiestimme über einem Bordun verwendet (u.a. in „The Hornburg"). Der musikwissenschaftlich sehr variable Begriff Bordun bezeichnet unter anderem eine erstmals im Spätmittelalter aufkommende, simple Form der Bassbegleitung, bei der ein tiefer (Tenor-)Ton entweder ausgehalten oder in einem einfachen, sich wiederholendem Rhythmus auftritt. Über diesem Bass bewegt sich eine freie, homophone Melodiestimme. Der Bordun gilt als der Vorläufer des Ostinato und als ein erster, primitiver Orgelpunkt, der ebenfalls ein wichtiges kompositorisches Merkmal der Zwei Türme ist. Denn durch den massiven Einsatz der auf Dauer doch etwa monotonen Orgelpunkte und dem teils wenig ausgefeiltem, meist unisonen Orchestersatz hinterlassen zahlreiche Actionpassagen einen leicht zwiespältigen Eindruck, wirken auf einmal nicht mehr wild und ursprünglich, sondern überladen und ermüdend.

Trotz dieser Schwächen verfügt die Musik natürlich auch über zahlreiche gelungene Momente. Imposant fällt zum Beispiel die Eröffnungssequenz aus: Auf das schicksalhaft in den Streichern erklingende Ring-Thema folgt ein musikalischer (und filmischer) Rückgriff auf die Moria-Sequenz des ersten Teils. Shore greift hier, um den schier endlosen Fall des Zauberers Gandalf zu untermalen, erneut auf den stimmgewaltigen Maori-Chor zurück, der jedoch nicht (wie in The Fellowship of the Ring) lautmalerisch verwendet wird, sondern mächtige Choräle intoniert. Auch eine Trompeten-Fanfare in „The White Rider" und eine sich anschließende, leicht mystische Sequenz für Querflöte, Streicher und Chor sind von großer Schönheit und Anmut. Ansprechend hat der Komponist auch die finale Schlachtszene ausgestaltet: Zwar dominieren zu Beginn auch hier donnernde Paukenschläge und treibende Blechbläser-Cluster, aber schnell leitet ein ausdrucksstarker Knabensopran (Ben Del Maestro) zu einem sich in Tempo und Dynamik langsam steigenden, choralen Finale über, das ebenso überzeugend ausfällt wie ähnlich angelegte Tracks der anderen Ringe-Musiken, etwa „The Prophecy" sowie „The End Of All Things".

Vorbildlich ist die musikalische musikalische Charakterisierung Gollums gelungen, dessen schizophrenes Wesen durch zwei Themen untermalt wird. Während sich im wehmütig-melancholischen, meist von Streichern oder der Oboe vorgetragenen Sméagol-Thema das tragische Schicksal dieses Verstoßenen und Vergessenen widerspiegelt, schildert dessen thematischer Widerpart, auf einem sinistren Zimbalon (Hackbrett) erklingend, die Verschlagenheit und die seelischen Abgründe dieses vom Ring der Macht verführten Wesens. In stark variierter Form liegt Sméagols Thema auch dem Filmsong zugrunde, dem Höhepunkt der Partitur: „Gollum's Song", zweifellos einem der gelungensten Filmsongs der letzten Jahre. Das von Howard Shore komponierte Stück ist, vom Gesang Emiliana Torrinis abgesehen, ebenfalls orchestral gehalten und erklingt in klagendem Moll. Gollums tiefen Zwiespalt offenbaren die ungewöhnliche Melodieführung, vor allem aber das Gebrochene und Fremde in der Stimme Emiliana Torrinis. Dem Gesang folgt ein letztes, heroisches Statement des Rohan-Themas, das erstaunlicherweise die zuvor aufgebaute, völlig gegensätzliche Stimmung nicht zu stark beschädigt.

Den Hörgenuss trübt leider – und unnötigerweise – erneut die Klangqualität: Die Aufnahme lässt die nötige Klarheit und räumliche Tiefe vermissen, wobei offensichtlich versucht wurde, diese Mängel durch einen maßlos übertriebenen Hall zu kaschieren. Ansonsten gibt es am Schnitt und dem Booklet, das wiederum viele Filmfotos und Texte von Peter Jackson und Howard Shore enthält, jedoch nur wenig auszusetzen.

Obwohl in den lauten Passagen der Zwei Türme eindeutig eine Neigung zu übertriebenem Klangbombast bei einer insgesamt zu undifferenzierten Orchestrierung zu erkennen ist, finden sich einige Highlights auf der CD, die eine Bewertung im guten Bereich gerade noch gerechtfertigt erscheinen lassen. Auch im Fall von The Two Towers muss die Konsequenz des Komponisten, seine verschiedenen Klangräume auszubauen und andere neu zu schaffen, grundsätzlich gewürdigt werden.
Jonas Uchtmann, 15.01.2004


Details zum Soundtrack



I. Die Musik

4 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
6 von 6 Punkten
Klangqualität:
3 von 6 Punkten
Schnitt:
4 von 6 Punkten
Begleittexte:
4 von 6 Punkten

Unterhaltung:
4 von 6 Punkten
Anspruch:
3 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 19. 1. 2013 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2013.