Lee Holdridge -
1888 wurde die National Geographic Society gegründet und hatte sich als
Ziel gesetzt, den Menschen geografische Entdeckungen und Kenntnisse zu
vermitteln. Man begann mit einem monatlich erscheinenden Heft (das es auch
immer noch gibt). Ab 1964 gab es dann die ersten Dokumentarfilme. Doch erst 1997
wurde ein eigener TV-Sender gegründet. 1988, als die National Geographic
Society ihr 100-jähriges Jubiläum feierte, wurde ein Film veröffentlicht,
der auf die größten und wichtigsten Entdeckungen eingeht. Die Musik zum Film steuerte Lee Holdridge bei. Seine Komposition vermag
es, die einzelnen Szenen des Films passend zu untermalen. Lee Holdridge sagte,
dass es für ihn keinen großen Unterschied mache, ob er einen Spielfilm oder
eine Dokumentation vertone: „Einen solchen Unterschied gibt es nicht, beides
ist eine Art Drama. In einer Doku kann das Thema dennoch ungewöhnlich sein. In
einem Spielfilm hat man es immer mit einer Geschichte oder Charakteren in
unterschiedlichen Situationen, sei es eine Romanze oder ein Thriller, zu tun.
In einem Dokumentarfilm kann es sein, dass man Musik für einen Ort oder eine Erfindung
schreiben muss. In musikalischer Hinsicht kann ich die Handlung eines
Spielfilms als roten Faden nehmen. Bei einer Doku ist das Thema die Geschichte.
Daraus ergeben sich manchmal ein paar Schwierigkeiten für den Komponisten.“ Der Film beginnt musikalisch gesehen sehr abwechslungsreich.
Ein ruhiges Solopiano eröffnet den Track und kurze Zeit später kündigen die
Posaunen eine Fanfare an, die dann mit hellen Trompeten und einem vollen
Orchester besetzt ist. Die heroisch angehauchte Fanfare hat einen eindeutig
marschhaften Charakter und durchaus auch etwas Pathos. Das Thema der Fanfare
wird dabei geschickt zwischen den Instrumentengruppen hin- und hergeworfen.
Nach einer kurzen Pause wird dann das Thema von Elmer Bernstein aufgegriffen,
das stets in den Dokumentationen verwendet wurde (2:30). Dieses ist weniger
heroisch, aber ein gewisser Glanz ist auch diesem Thema nicht abzusprechen. Der
Film beginnt dann mit einer kurzen Sequenz über Alexander Graham Bell, einen
der Gründer der Society. Diese Szene untermalt der in Haiti geborene Komponist
mit warmen Streichen und sanften Holzbläsereinschüben. Bei so einem Nachnamen
bietet es sich natürlich an, auch auf Glocken zurückzugreifen, und genau das
tut Holdridge. Der fast zehnminütige Track „Early Magazines“ ist ein Zusammenschnitt
von mehreren Titeln, die zum Teil recht unterschiedlich sind. Die Suite beginnt
mit einer barockhaften Fuge: Nach dem Fagott setzten nach und nach weitere
Instrumente ein (Klarinette, Oboe, Flöte). Später kündigt sich ein Instrument
an, das im Verlauf des Scores noch öfter auftreten wird: der Synthesizer.
Holdridge nutzt dieses elektronische Instrument, um ganz bewusst kühle,
fremdartig klingende Klangsphären zu erzeugen („Strange Undersea Life“ /
„Ancient Shipwreck“). Der Komponist selbst äußerte sich dazu wie folgt: „Die
Verwendung eines Synthesizers zusammen mit dem Orchester hat es mir ermöglicht,
dem Orchesterklang ungewöhnliche Klangfarben zu verleihen.” Holdridge nutzt
jedoch auch andere Möglichkeiten, um den Hörer in fremde musikalische Gefilde
zu führen. In „The Johnsons in Africa“ greift er auf Trommeln sowie Flöten
zurück um wenigstens etwas exotisches Flair aufkommen zu lassen. Die Flöten
werden mit Flatterzunge gespielt und deuten somit klar auf eine Handlung im Orient
hin („Joseph Rock In The Orient“). Wenn eine Expedition gelungen ist, untermalt
er dies mit strahlenden Dur-Klängen. „Everest Ending“ ist dafür ein
Paradebeispiel. Über einen ruhigen, triumphalen Streicherteppich schichtet er
aufsteigende Trompeten mit warmen Hörnern im Hintergrund. Doch die Partitur bietet nicht nur sphärische Klänge oder
Orchesterfarben mit (marginalem) Lokalkolirit, sie hat auch Dramatischeres zu
bieten: „The King Tut Excavation“ bringt auch ein bisschen Actionmusik hervor:
das Tempo zieht an, ein synkopischer Rhythmus sorgt für Verwirrung, zeitgleich
lassen unruhige Flötenläufe und aufreibende Harmonien Unruhe entstehen.
Erwähnung sollte auch der melodiös ansprechende Titel „Driving The
Trans-Asiatic Expedition“, dessen erfrischend munteres Motiv für Abwechslung
sorgt. Am Ende der gut fünfzig Minuten dauernden Partitur greift Holdridge auf
das eingangs vorgestellte Thema zurück, das er im Laufe des Scores kaum
verwendet hat. Lediglich auf das Thema für Alexander Bell greift er gelegentlich
zurück. Holdridge sieht den Grund für diese episodenhaft veranlagte Struktur
der Musik im Film selbst: „Der Film besteht aus einer Reihe von Kurzfilmen und
Episoden. Jeder Teil hatte seine eigenen Motive und seinen eigenen Stil. Auf
dieses Konzept hatten die Produzenten und ich uns geeinigt.” Ein paar Worte sollten über die Veröffentlichung von Intrada gesagt
werden. Die CD bietet die komplette Filmmusik, für die Holdridge mit einem Emmy
belohnt wurde, in akzeptabler Klangqualität, die man vielleicht als etwas dumpf
beschreiben könnte. Die Begleittexte fallen mit einer Track-by-Track-Analyse
sehr ausführlich aus und das Booklet ist ansprechend bebildert. Wie schon bei In Search Of Peace wurde die Limitierung
auf 1000 Exemplare gering gehalten; es verwundert daher nicht, dass dieses
Album mittlerweile ausverkauft ist und nur noch für höhere Preise zu erwerben
ist. Allgemein lässt sich sagen, dass der Musik zwar ein tolles Thema vorangestellt wurde, es aber nicht genutzt wurde. An dieser Stelle wurde viel Potential verschenkt. Doch nicht nur die thematische Ausgestaltung lässt zu wünschen übrig, auch die Bandbreite des Orchesters wird nicht richtig im vollen Umfang ausgeschöpft. Holdridge verlässt sich eher auf altbekannte Klangschemata anstatt neue zu kreieren. Zwischendurch kann die Musik zwar mit tollen Momenten punkten, der Gesamteindruck ist jedoch eher durchwachsen. Die Bewertung kommt daher nicht über 3 Punkte hinaus. Ludwig Hollmann, 27.03.2011 Details zum Soundtrack I. Die Musik
I. Die Alben -CD-
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Wollte man früher die Welt entdecken, musste man vor allem eines tun:
reisen. Unzählige wagemutige Reisende machten sich auf, um unbekannte Gefilde zu
entdecken. Der ein oder andere hatte besonders großes Glück und fand dabei
gleich einen zuvor unbekannten Kontinent. Manch andere segelten zum Nord- oder
Südpol, wieder andere erklommen vereiste Gletscher im Himalaja. Als unser
Planet frei von weißen Flecken auf den Landkarten war, stattete man dem
Erdtrabanten einen Besuch ab. Der Neugier und der Risikobereitschaft waren
hierbei keine Grenzen gesetzt. Will man heute die Welt entdecken, muss man oft
nur den Fernseher einschalten. Besonders ein US-Sender hat sich mit seinen
interessanten und spannenden Dokumentationen einen Namen gemacht: der Discovery
Channel. Rund um die Uhr kann man hier vom Wohnzimmer aus Höhlen erforschen,
Berge besteigen, in den Untiefen des Meeres umherschwimmen und unberührte
Paradiese bestaunen.