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Rezensionen - The Explorers: A Century Of Discovery
 


Lee Holdridge
-

Wollte man früher die Welt entdecken, musste man vor allem eines tun: reisen. Unzählige wagemutige Reisende machten sich auf, um unbekannte Gefilde zu entdecken. Der ein oder andere hatte besonders großes Glück und fand dabei gleich einen zuvor unbekannten Kontinent. Manch andere segelten zum Nord- oder Südpol, wieder andere erklommen vereiste Gletscher im Himalaja. Als unser Planet frei von weißen Flecken auf den Landkarten war, stattete man dem Erdtrabanten einen Besuch ab. Der Neugier und der Risikobereitschaft waren hierbei keine Grenzen gesetzt. Will man heute die Welt entdecken, muss man oft nur den Fernseher einschalten. Besonders ein US-Sender hat sich mit seinen interessanten und spannenden Dokumentationen einen Namen gemacht: der Discovery Channel. Rund um die Uhr kann man hier vom Wohnzimmer aus Höhlen erforschen, Berge besteigen, in den Untiefen des Meeres umherschwimmen und unberührte Paradiese bestaunen. 

1888 wurde die National Geographic Society gegründet und hatte sich als Ziel gesetzt, den Menschen geografische Entdeckungen und Kenntnisse zu vermitteln. Man begann mit einem monatlich erscheinenden Heft (das es auch immer noch gibt). Ab 1964 gab es dann die ersten Dokumentarfilme. Doch erst 1997 wurde ein eigener TV-Sender gegründet. 1988, als die National Geographic Society ihr 100-jähriges Jubiläum feierte, wurde ein Film veröffentlicht, der auf die größten und wichtigsten Entdeckungen eingeht.

Die Musik zum Film steuerte Lee Holdridge bei. Seine Komposition vermag es, die einzelnen Szenen des Films passend zu untermalen. Lee Holdridge sagte, dass es für ihn keinen großen Unterschied mache, ob er einen Spielfilm oder eine Dokumentation vertone: „Einen solchen Unterschied gibt es nicht, beides ist eine Art Drama. In einer Doku kann das Thema dennoch ungewöhnlich sein. In einem Spielfilm hat man es immer mit einer Geschichte oder Charakteren in unterschiedlichen Situationen, sei es eine Romanze oder ein Thriller, zu tun. In einem Dokumentarfilm kann es sein, dass man Musik für einen Ort oder eine Erfindung schreiben muss. In musikalischer Hinsicht kann ich die Handlung eines Spielfilms als roten Faden nehmen. Bei einer Doku ist das Thema die Geschichte. Daraus ergeben sich manchmal ein paar Schwierigkeiten für den Komponisten.“ Der Film beginnt musikalisch gesehen sehr abwechslungsreich. Ein ruhiges Solopiano eröffnet den Track und kurze Zeit später kündigen die Posaunen eine Fanfare an, die dann mit hellen Trompeten und einem vollen Orchester besetzt ist. Die heroisch angehauchte Fanfare hat einen eindeutig marschhaften Charakter und durchaus auch etwas Pathos. Das Thema der Fanfare wird dabei geschickt zwischen den Instrumentengruppen hin- und hergeworfen. Nach einer kurzen Pause wird dann das Thema von Elmer Bernstein aufgegriffen, das stets in den Dokumentationen verwendet wurde (2:30). Dieses ist weniger heroisch, aber ein gewisser Glanz ist auch diesem Thema nicht abzusprechen. Der Film beginnt dann mit einer kurzen Sequenz über Alexander Graham Bell, einen der Gründer der Society. Diese Szene untermalt der in Haiti geborene Komponist mit warmen Streichen und sanften Holzbläsereinschüben. Bei so einem Nachnamen bietet es sich natürlich an, auch auf Glocken zurückzugreifen, und genau das tut Holdridge.

Der fast zehnminütige Track „Early Magazines“ ist ein Zusammenschnitt von mehreren Titeln, die zum Teil recht unterschiedlich sind. Die Suite beginnt mit einer barockhaften Fuge: Nach dem Fagott setzten nach und nach weitere Instrumente ein (Klarinette, Oboe, Flöte). Später kündigt sich ein Instrument an, das im Verlauf des Scores noch öfter auftreten wird: der Synthesizer. Holdridge nutzt dieses elektronische Instrument, um ganz bewusst kühle, fremdartig klingende Klangsphären zu erzeugen („Strange Undersea Life“ / „Ancient Shipwreck“). Der Komponist selbst äußerte sich dazu wie folgt: „Die Verwendung eines Synthesizers zusammen mit dem Orchester hat es mir ermöglicht, dem Orchesterklang ungewöhnliche Klangfarben zu verleihen.” Holdridge nutzt jedoch auch andere Möglichkeiten, um den Hörer in fremde musikalische Gefilde zu führen. In „The Johnsons in Africa“ greift er auf Trommeln sowie Flöten zurück um wenigstens etwas exotisches Flair aufkommen zu lassen. Die Flöten werden mit Flatterzunge gespielt und deuten somit klar auf eine Handlung im Orient hin („Joseph Rock In The Orient“). Wenn eine Expedition gelungen ist, untermalt er dies mit strahlenden Dur-Klängen. „Everest Ending“ ist dafür ein Paradebeispiel. Über einen ruhigen, triumphalen Streicherteppich schichtet er aufsteigende Trompeten mit warmen Hörnern im Hintergrund.

Doch die Partitur bietet nicht nur sphärische Klänge oder Orchesterfarben mit (marginalem) Lokalkolirit, sie hat auch Dramatischeres zu bieten: „The King Tut Excavation“ bringt auch ein bisschen Actionmusik hervor: das Tempo zieht an, ein synkopischer Rhythmus sorgt für Verwirrung, zeitgleich lassen unruhige Flötenläufe und aufreibende Harmonien Unruhe entstehen. Erwähnung sollte auch der melodiös ansprechende Titel „Driving The Trans-Asiatic Expedition“, dessen erfrischend munteres Motiv für Abwechslung sorgt.

Am Ende der gut fünfzig Minuten dauernden Partitur greift Holdridge auf das eingangs vorgestellte Thema zurück, das er im Laufe des Scores kaum verwendet hat. Lediglich auf das Thema für Alexander Bell greift er gelegentlich zurück. Holdridge sieht den Grund für diese episodenhaft veranlagte Struktur der Musik im Film selbst: „Der Film besteht aus einer Reihe von Kurzfilmen und Episoden. Jeder Teil hatte seine eigenen Motive und seinen eigenen Stil. Auf dieses Konzept hatten die Produzenten und ich uns geeinigt.”

Ein paar Worte sollten über die Veröffentlichung von Intrada gesagt werden. Die CD bietet die komplette Filmmusik, für die Holdridge mit einem Emmy belohnt wurde, in akzeptabler Klangqualität, die man vielleicht als etwas dumpf beschreiben könnte. Die Begleittexte fallen mit einer Track-by-Track-Analyse sehr ausführlich aus und das Booklet ist ansprechend bebildert. Wie schon bei In Search Of Peace wurde die Limitierung auf 1000 Exemplare gering gehalten; es verwundert daher nicht, dass dieses Album mittlerweile ausverkauft ist und nur noch für höhere Preise zu erwerben ist.

Allgemein lässt sich sagen, dass der Musik zwar ein tolles Thema vorangestellt wurde, es aber nicht genutzt wurde. An dieser Stelle wurde viel Potential verschenkt. Doch nicht nur die thematische Ausgestaltung lässt zu wünschen übrig, auch die Bandbreite des Orchesters wird nicht richtig im vollen Umfang ausgeschöpft. Holdridge verlässt sich eher auf altbekannte Klangschemata anstatt neue zu kreieren. Zwischendurch kann die Musik zwar mit tollen Momenten punkten, der Gesamteindruck ist jedoch eher durchwachsen. Die Bewertung kommt daher nicht über 3 Punkte hinaus.


Ludwig Hollmann, 27.03.2011
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

3 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
5 von 6 Punkten
Klangqualität:
4 von 6 Punkten
Schnitt:
3 von 6 Punkten
Begleittexte:
5 von 6 Punkten

Unterhaltung:
3 von 6 Punkten
Anspruch:
3 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 19. 1. 2013 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2013.