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Rezensionen - Prince of Tides, The
 


James Newton Howard
-

The Prince of Tides ist ein von Pat Conroy im Jahre 1986 geschriebener Roman. Erzählt wird die Geschichte von Tom Wingo und seiner Zwillingsschwester Savannah. Beide müssen in einer emotional zerrütteten Familie aufwachsen, die zu allem Übel noch durch einen nächtlichen Einbruch dreier entflohener Strafgefangener belastet wird, die über die Familie herfallen. Obgleich alle drei Ausbrecher von der Familie überwältigt und getötet werden können, bleibt dieses belastende Erlebnis ein Familiengeheimnis.

The Prince of Tides war der bis 1991 vierte Conroy-Roman, der in die Kinos fand. Dem Roman angenommen hat sich die Sängerin Barbra Streisand. Sie führte hier zum zweiten Mal selbst Regie und besetzte auch eine der Hauptrollen als Psychiaterin Susan Lowenstein. Musikalisch untermalt wird der Film von James Newton Howard, der eine eindeutig überdurchschnittliche Arbeit ablieferte. Seiner Komposition kann man sich nur schwer entziehen. Zu Beginn wirkt die Musik sofort empathisch. Mit ausgedehntem Melodienwerk, welches sich sofort ins Gedächtnis einzuprägen vermag, verzaubert Howard den Zuhörer. Solides Streicherspiel - klar strukturiert; mit herzlich klingenden Hörnern sind Ausdruck handwerklicher Versiertheit. Nach den ersten drei Tracks solchen Hochgenusses klingt „Bloodstain", zu deutsch Blutfleck, lethargisch und nachdenklich.

Schmissig und unbefangen wird Tom von „Fishmarket" geleitet; diese Unbefangenheit bildet einen starken Kontrast zu den negativen Gedanken und Gefühlen, die ihn überkommen bei der anschließenden Zubereitung des Fisches, war sein grausamer Vater doch von Beruf Fischer. Howard gelingt es immer wieder mit großer Professionalität, der Geschichte und den Charakteren auf der Spur zu bleiben. So auch in „Leila's Theme": Leila ist die krankhaft narzisstische Mutter von Tom und Savannah, die alles tut um sich in den Mittelpunkt zu setzen. Durch hinterhältiges Manipulieren und Belügen der Familienmitglieder erschleicht sie sich eine falsche Liebe, die nur in ihrer Phantasie existiert und keinen realistischen Bezug hat. Sie will - analytisch formuliert - der Mittelpunkt des Universums sein und von allen geliebt werden. Diese neurotische Haltung wird auch in der Musik deutlich: Streicher, die zu Beginn seelische Abgründe erahnen lassen (0:01). Dann sehr vorsichtige und „herantastende" Klavierakkorde (0:42), die die krankhafte Wachsamkeit und Anspannung der Mutter überzeugend charakterisieren.

Der Kern des Film ist eine Fremdanamnese zwischen Lowenstein und Tom. Da die Schwester die in der Kindheit geschehenen Schandtaten nicht verarbeiten kann, versucht diese immer wieder sich das Leben zu nehmen, was ihr auch beinahe geglückt wäre. Durch starken Blutverlust liegt sie im Koma. Nun erklärt sich der „große Bruder" Tom bereit, zu helfen, und spricht für ihre Schwester, quasi als ihr Gedächtnis. Eines der ersten fremdanamnestischen Gespräche wird untermalt von „Home Movies". Dieser Track beginnt heiter und fröhlich, wechselt aber ab 0:38 gekonnt die Stimmung und wirkt wie eine ernste, nachdenkliche Unterhaltung. In der Tat unterhält sich die Psychiaterin mit Tom und stellt diesem Fragen, die nicht so einfach für ihn zu beantworten sind.

Dass sich Lowenstein und Tom Wingo verlieben, versteht sich von selbst. Diverse Liebesszenen werden von einem Thema begleitet („The Hallway: Love Theme"). Zärtlich gespielte Hörner, mit Streicherteppich hinterlegt, und romantisch-erzählende Klavierakkorde begleiten das Liebespaar im letzten Filmdrittel. Der Moment der Offenbarung wird unspektakulär vertont. „Tom's Breakdown" begleitet den erzählenden Tom Wingo. Er berichtet im Rahmen einer Anamnese-Sitzung, was in der Nacht der Überfalls (durch die Sträflinge) geschehen ist. Zuerst zeigt sich die Musik mit schwermütigen Streichern; allerdings lichtet sich die Stimmung rasch, als Tom einen Einstieg in die Geschichte findet, was sich auch auf die Musik niederschlägt. Diese wird im Verlauf stimmungsneutral und verschwindet (im Film) vollständig, da die Worte des Erzählers und die Bilder der filmischen Rückblende für sich sprechen. „Savannah Awakes" zeigt sich befreit und unverkrampft. Zu Beginn einige tapsige Klavierakkorde mit pseudo-misstrauischen Oboen lassen Bruder und Schwester aufatmen.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass Film und Musik in jeder Sekunde perfekt zusammenpassen. James Newton Howard hat eine überaus gelungene Komposition geschaffen, die durchgängig Spaß macht und nie langweilig wird. Das Album wird noch durch zwei von Barbra Streisand gesungenen Liedern bereichert, die so im Film nicht vorkommen. Zum einen singt sie „Places That Belong to You" und zum andern „For All We Know". Letzteres ist ein Billie-Holiday-Song, der im Film instrumental gespielt wird und eine Tanzszene im Rainbow Room untermalt. „Places That Belong to You" ist ein Song, der auf Wunsch von Barbra Streisand produziert wurde. Er greift das Prince-Of-Tides-Motiv erneut auf. Für den Text wurden Alan und Marilyn Bergman engagiert. Eine Zugabe, die den Wert des Albums sicher steigert. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist die gute Ausstattung der CD: Umfangreiches Booklet mit passendem Fotomaterial machen das Album zu einer lohnenswerten Anschaffung.
Oliver M. Strate, 09.01.2004


Details zum Soundtrack



I. Die Musik

4 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
4 von 6 Punkten
Klangqualität:
5 von 6 Punkten
Schnitt:
5 von 6 Punkten
Begleittexte:
4 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
4 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 14.08.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.