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Rezensionen - Lord of the Rings: The Return of the King, The
 


Howard Shore
-

Den letzten Kampf der freien Völker Mittelerdes gegen Knechtschaft, Sklaverei und den dunklen Herrscher Sauron, den Herrn der Ringe, kann man seit dem 17. Dezember weltweit in den Kinos bestaunen. Während die Heerscharen von Gut und Böse in epischen Schlachten gegeneinander antreten, setzen Sam und Frodo ihren beschwerlichen Weg zum Orodruin, dem Schicksalsberg, fort ...

In filmischer Hinsicht hätte Die Rückkehr des Königs, Abschluss von Peter Jacksons Ring-Trilogie, kaum beeindruckender ausfallen können: Der gut dreistündige Bilderbogen, gedreht vor panoramenhafter (neuseeländischer) Naturkulisse, getragen von Spezialeffekten, die noch nie näher an der Perfektion waren, ist in seiner Wirkung atemberaubend, klimaktisch, beinahe apokalyptisch. Zwar führt die starke Fokussierung auf optische Reize gelegentlich zu einer Vernachlässigung der Handlung, deren Ausgang niemanden wirklich überraschen wird, und der Charaktere, die ebenfalls ziemlich berechenbar agieren (vielleicht mit Ausnahme des von John Noble vortrefflich umgesetzten, wahnsinnigen Truchsessen Denethor). Trotzdem erzählt Jackson weiterhin eine glaubwürdige, spannende Geschichte, bei der die Spezialeffekte eben nicht, wie in den Matrix-Fortsetzungen, zum reinen Selbstzweck verkommen. Für die Anhänger von Tolkiens Büchern dürften die im Vergleich zum zweiten Teil noch einmal verstärkt auftretenden Änderungen zuungunsten der Vorlage einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Tatsächlich ließe sich über Sinn und Unsinn der dramaturgischen Eingriffe vortrefflich streiten ...

Im Endeffekt handelt es sich bei der Rückkehr des Königs jedoch um einen Höhepunkt des Fantasyfilms, zeitgemäß inszeniert und doch klassischen Erzähltraditionen verpflichtet. Gerade dadurch, dass der Film die meiste Zeit mit nur noch zwei Handlungssträngen arbeitet und sich, anders als stellenweise The Two Towers, nicht mehr in einem Zusammenschnitt oft großartiger Einzelszenen verliert, scheint die Zeit wie im Fluge zu vergehen.

Howard Shore, Komponist aller drei Filmteile, hat sich für das Finale noch einmal hörbar angestrengt und gerade gegenüber dem Vorgänger wieder zugelegt. Ihm ist es gelungen, an das Niveau des ersten Teils, The Fellowship of the Ringanzuknüpfen und der Komposition außerdem neue Akzente zu verleihen. Shore hat in Teil 3 die heroischen Passagen besser auskomponiert und sie trotz ihres Pathos', ihrer orchestralen Wucht, sehr ansprechend gestaltet. Der Bombast wirkt nuancierter, auch deshalb, weil massive Fortissimi selten anzutreffen sind: Tatsächlich sind die letzten 25 Minuten des Albums durchgehend lyrisch gehalten.

Erfreulich auch, dass, obwohl der Score streng genommen nur mit einem neuem Thema aufwartet, die Themenentwicklung und -verarbeitung als überaus gelungen bezeichnet werden dürfen. Den Film eröffnet, wie schon die ersten beiden Teile, eine Variation des Ring-Themas, das zuerst in den Streichern erklingt und wenig später von einer Solo-Violine aufgegriffen wird („A Storm Is Coming"). Das anfangs leicht tänzerisch anmutende Stück nimmt schnell dramatische Züge an und geht in das Mordor-Thema über (erstmals zu hören in The Fellowship of the Ring, „The Shadow Of The Past"), das für die Action-Passagen des dritten Teils einige Bedeutung hat. Dieses brachiale und bedrohliche, chromatische 6-Noten-Motiv wird hier erstmals kontrapunktisch mit einem der Sekundärthema für die Ring-Geister (ebenfalls aus dem ersten Teil) unterlegt. Die sich daraus ergebenden, mannigfaltigen Variationen schaffen einen überaus wirksamen Kontrast zu den leuchtenden Themen der Könige und Helden, die im dritten Teil besonders breiten Raum einnehmen.

Aus der wehmütigen, volkstümlichen Melodie für die Menschen von Rohan, die in The Two Towers meist von der Solo-Fiedel gespielt wurde, entwickelt Howard Shore eine marschartige, heldenhafte Fanfare des vermeintlich letzten „Ritts der Rohirrim" (Track 7). Für die Untermalung der zwei zentralen Schlachten greift der Komponist auf chorale und motivische Elemente des ersten Scores zurück („The Prophecy"). Der klangliche Bombast aus Chören, teils mittelalterlich wirkenden Fanfaren oder Vocalisen („The Fields Of The Pelennor" / „The End Of All Things") ist höchst effektiv, zumal auch dramaturgisch ein Kreis geschlossen wird, handelt es sich doch in beiden Fällen um die entscheidenden Schlachten des jeweiligen Zeitalters.

Letztlich sind es drei entscheidende Aspekte, welche eine Bewertung der Partitur mit 4,5 Sternen gerechtfertigt erscheinen lassen: zum einen die Entwicklung des Gondor-Themas (erstmalig eingesetzt in Die Gefährten während Elronds Rat), des eigentlichen Hauptgedankens der Komposition. Die noble und erhabene Melodie etabliert sich in nur drei Tracks („Minas Tirith", „The White Tree", „The Steward Of Gondor") zu einem der erinnerungswürdigsten Themen der gesamten Trilogie, durchwandert dabei alle Instrumentalgruppen (bis hin zum Knabensopran) und erklingt oft in einem geradezu rauschhaften orchestralen Gewand.

Einen großen Kontrast zur grundsätzlich traditionellen Tonsprache der Ringe-Musiken stellt „Shelob's Lair" (Track 11) dar. Den Kampf mit der Riesenspinne Kankra (Shelob) untermalt Shore durch dissonante Eruptionen der Blechbläser und plötzliche Dynamik-Sprünge. Besonders hervor ragt aber der expressiv-dynamische Streichersatz dieses Stückes, der ebenfalls dissonant gestaltet ist.

Bleibt noch der ruhig und unaufdringlich gehaltene, lyrische Schlussteil. „The Return of the King", mit kurzer Gesangs-Einlage von Aragorn-Darsteller Viggo Mortensen, arbeitet hauptsächlich mit dem Hobbit- und dem Gefährten-Thema. Das keineswegs kitschige, in der Instrumentierung unprätentiös gehaltene Stück entfaltet gerade im Kontext der vorangehenden, emotional aufgeladenen Passagen nicht unerhebliche Reize. Ähnliches gilt für „The Grey Heavens", in dem das bereits erwähnte neue Motiv, das der Grauen Anfurten, kurz in Erscheinung tritt. Die wehmütige, von Sehnsucht erfüllte Melodie ist auch Basis für den Filmsong „Into The West", interpretiert von Annie Lennox. Zwar vermag der massenkompatible Pop-Song keine wirkliche Tiefe auszudrücken wie noch „Gollums's Song" in den Zwei Türmen, schön anzuhören ist das dezent von E-Gitarre begleitete Stück dennoch. Und ein letztes Mal gelingt dem Komponisten die musikalische Überraschung, indem er auf das ruhig ausklingende „Into the West" einen knapp anderthalb Minuten langen, sinfonischen Epilog folgen lässt: Die fast verhaltene Elegie für Streicher, Oboen und zurückhaltend eingesetzte Hörner markiert einen lichtdurchfluteten, intimen Schlusspunkt der überdurchschnittlichen Filmmusik-Trilogie.

Etwas schade ist, dass mit der Produktion des Soundtrack-Albums schon begonnen wurde, als große Teile der Musik noch nicht eingespielt waren. So erscheint das fast vollständige Fehlen des thematischen Materials für die schizophrene Figur Gollum doch ein wenig enttäuschend. Der Filmgenuss offenbart zudem noch weitere, eigentlich essenzielle musikalische Momente, die es nicht auf die CD geschafft haben, aber da werden die zu erwartenden erweiterten Veröffentlichungen der Filmmusik Abhilfe schaffen. Zudem ist auch das vorliegende Album gut geschnitten und ansprechend gestaltet, selbst der Klang geht dieses Mal in Ordnung, wenn auch der Konzerthallensound immer noch künstlich und übertrieben wirkt.

Damit steht es fest: Howard Shore hat sein leitmotivisches Konzept konsequent und in sich stimmig zu Ende geführt und allein dadurch eine erwähnenswerte filmmusikalische Leistung vollbracht. Der Herr der Ringe überzeugt nicht durch Neuartigkeit (dazu lehnt sich der Komponist doch zu stark an klassische Vorbilder, etwa Richard Wagner an), noch durch handwerkliche Perfektion (dafür fehlt Shore seit jeher der Sinn fürs Filigrane), sondern vielmehr durch die Verwendung einer noch nicht allzu oft gehörten, archaisch-brachialen Tonsprache und die gekonnte Verarbeitung des ansprechenden thematischen und motivischen Materials.
Jonas Uchtmann, 22.12.2003


Details zum Soundtrack



I. Die Musik

4.5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
6 von 6 Punkten
Klangqualität:
4 von 6 Punkten
Schnitt:
5 von 6 Punkten
Begleittexte:
4 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
4 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 19. 1. 2013 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2013.