Michael Kamen -
Auch
wenn das Konzept eines Spukhauses im Weltall zunächst recht verlockend klingen
mag, bietet das Drehbuch kaum Überraschungen. Anstelle eines Aliens werden die
Charaktere von ihren verdrängten, finsteren Erinnerungen durch die Gänge
gehetzt. Das Highlight des Films ist definitiv seine visuelle Präsentation.
Produktionsdesigner Joseph Bennett verwendete für die Außen- und Innenbereiche
der Event Horizon Elemente und Motive
aus Notre Dame und setzte diese in
einem futuristischen Look neu zusammen, der sich wohltuend von Star Wars und Konsorten unterscheidet.
Zusätzlich wächst die Wirkung der Sets durch Adrian Biddles hervorragende
Lichtführung. Hervorzuheben sind aber auch die Leistungen der Schauspieler, allen voran Sam Neil und Laurence Fishburne, die es schaffen, trotz der dünnen Vorlage ihre Figuren interessant und lebendig zu spielen. Und auch wenn Regisseur Paul W. S. Anderson hier keinen eigenen Stil vorzuweisen hat, immerhin macht er seine Sache wirklich solide und man kann sagen, dass es sich um seinen bislang besten Film handelt. Nachdem
Anderson Songs von Orbital bereits in Shopping
und Mortal Kombat benutzt hatte,
wollte er für seinen ersten großen Studiofilm ebenfalls auf das englische
Techno-Duo zurück greifen. Als Kontrast zu den harten, elektronischen
Technoklängen sollte Michael Kamen einen eher traditionellen, orchestralen
Horror-Score schreiben. Kamen und Orbital arbeiteten in der Anfangsphase des
Projektes eng miteinander zusammen. So buchte Kamen sogar ein kleines Orchester
und ließ Orbital verschiedene Klänge und Effekte sampeln, die sie später in
ihrer Musik verwenden konnten. Das
was Orbital dann am Ende an Kamen ablieferte waren mehrere lang Stücke und
Bausteine, die dieser nach Belieben zerschneiden, auseinander nehmen und neu
zusammensetzen sollte. Der im Film enthaltene Anteil von Orbital beschränkt
sich, neben ein paar elektronischen Effekten, in erster Linie auf den „Main
Title“. Ein harter Rave-Beat bildet die Grundlage, metallische Industrial-Samples
und verzerrte Vocals kommen als eine Art akustisches Leitmotive hinzu. Kamens
Orchester-Arrangements fallen wohltuend sparsam aus. Collagenhaft werden kurze
Bläser- und Streichereffekte, Cressendi-Decressendi eingeworfen. Ein
Fünf-Noten-Motiv im Solo-Horn mach das Ganze melodisch griffig, ohne den rohen
Charakter der Techno-Musik zu verwässern. Den
Großteil des Scores im Film macht Kamens puristisch orchestrale Musik aus. Auch
wenn dieser nicht viel von dem Film hielt („the film was an unadulterated piece
of rubbish“), kann man Event Horizon
ohne Zweifel als eine seiner besten Arbeiten zählen. Im Film macht die Musik
ihre Aufgabe sehr gut. Kamens Musik räumt sich immer wieder Platz für großen,
blechlastigen Bombast ein, in den Suspence Passagen tritt sie eher in den
Hintergrund. Sein pingelig-penetrantes Underscoring hatte er zu der Zeit
ohnehin zurückgefahren und dem Zeitgeist angepasst. In Event Horizon findet man chromatische Cluster, vereinzelt Aleatorik
(wobei die wahrscheinlich auf die orchestralen Jam Sessions mit Orbital zurückgeht)
und einige goldenthal‘sche Bläsereffekte. Insgesamt kann man sagen, es handelt
sich bei Event Horizon um eine
gelungene Arbeit, die, wenn man sie so veröffentlich hätte, wie sie im Film
geschnitten ist, eine gute Durchschnittswertung bekommen hätte. Wirklich
interessant wird die Musik dagegen erst auf dem Soundtrack-Album. Dabei handelt
es sich um eines jener Alben, bei denen die meisten Filmmusik-Hörer panisch
nach dem Kruzifix greifen würden. Anstelle die einzelnen Cues einfach zu listen,
wurden diese in vier längere Suiten mit der kompletten Orbital-Musik
zusammengeschnitten. Sowohl jede Suite für sich als auch das gesamte Album
folgt einer eigenen dramatischen Linie. Kamens und Orbitals Musik wechseln sich
ab, werden gegenüber gestellt oder vermischt und neu zusammengesetzt. Das
Problem an Kamens Musik zu Event Horizon ist, dass sie, wie häufig bei Kamen,
kein richtigen thematischen/motivischen oder konzeptionellen Aufhänger hat. Es
gibt zwar eine wirklich große Anzahl kleinerer, motivisch genutzter Bausteine,
diese haben aber, mit Ausnahme eines Zwei-Noten-Motivs im Abstand einer kleinen
None, kaum genügend Prägnanz, um den gesamten Score zu tragen. Erst in der
Gegenüberstellung können beide Stile wirklich brillieren, denn hier wird der
daraus resultierende Gesamtklang zu einer Art Hauptthema des Scores. Viele
bemängeln die Abmischung des Albums. Während Orbitals Musik breit und voll im
Vordergrund steht, erklingt Kamens orchestraler Part deutlich weiter aus dem
Hintergrund. Das mag vielleicht Geschmackssache sein, aber mir persönlich
gefiel die Konstellation immer sehr gut, denn so wird der Bruch zwischen den
beiden Stilen noch verstärkt. Obwohl es natürlich schon schade ist, dass
manches Detail in der Orchestrierung etwas untergeht und die Gegenseite
nachvollziehbare Argumente hat. Leider
geht das Konzept des Albums auch nur in der ersten Hälfte der Spielzeit auf. Ab
der dritten Suite hat man ein wenig den Eindruck, als wenn alle gute Parts
aufgebraucht waren und nun „der Rest“ irgendwie ineinander gesteckt wurde.
Mitunter wird die Spielzeit sogar noch durch unnötigen Einsatz von
Orchestersamples gestreckt. Auch das Orbital-Material scheint ab diesem Punkt
ebenfalls an sein Ende gekommen zu sein, denn nun wird einfach nur wiederholt,
was bereits aus den ersten beiden Suiten bekannt ist. Da das Soundtrack-Album immer noch zu vernünftigen Preisen gebraucht zu bekommen ist, kann der interessierte Hörer allerdings ohne weiteres Zugreifen. Die erste Hälfte kann hervorragend unterhalten, die zweite kann man als nette Dreingabe sehen. In jedem Fall handelt es sich bei Event Horizon um ein sehr ungewöhnliches Album, das vor allem durch seine Eigendynamik auch für Nicht-Filmmusikhörer von Interesse sein könnte. Nicht zu empfehlen ist es allerdings für jene, die Filmmusik pur und unverfälscht genießen wollen. Somit bleibt es bei starken 3,5 Punkten auch bei einem Kompromiss zwischen den Extremen. Jan Selzer, 11.05.2011 Details zum Soundtrack I. Die Musik
I. Die Alben -OST-
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Man nehme Solaris, Sphere, The Haunting, The Shining, Alien, The Dark Side Of The
Moon, The Black Hole und noch
einige andere, schmeiße das Ganze in einen großen Topf und garniere es mit
eigen Anspielungen auf 2001 – und
heraus kommt Event Horizon. Gar keine
Frage, mit seinem komplett zusammengeklauten Skript hat sich Event Horizon schon beim Filmstart ein
Denkmal gesetzt. Jedenfalls war man hier konsequent, und sicherlich ist das ein
Grund, warum der Film einen gewissen Kult-Status erlangte. Die Handlung dreht
sich um das verloren gegangene Raumschiff Event
Horzion, die sieben Jahre nach ihrem Verschwinden unerwartet wieder
aufgetaucht ist. Ein Bergungsteam soll nun die Lage klären.