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Rezensionen - Event Horizon
 


Michael Kamen
-

Man nehme Solaris, Sphere, The Haunting, The Shining, Alien, The Dark Side Of The Moon, The Black Hole und noch einige andere, schmeiße das Ganze in einen großen Topf und garniere es mit eigen Anspielungen auf 2001 – und heraus kommt Event Horizon. Gar keine Frage, mit seinem komplett zusammengeklauten Skript hat sich Event Horizon schon beim Filmstart ein Denkmal gesetzt. Jedenfalls war man hier konsequent, und sicherlich ist das ein Grund, warum der Film einen gewissen Kult-Status erlangte. Die Handlung dreht sich um das verloren gegangene Raumschiff Event Horzion, die sieben Jahre nach ihrem Verschwinden unerwartet wieder aufgetaucht ist. Ein Bergungsteam soll nun die Lage klären.

Auch wenn das Konzept eines Spukhauses im Weltall zunächst recht verlockend klingen mag, bietet das Drehbuch kaum Überraschungen. Anstelle eines Aliens werden die Charaktere von ihren verdrängten, finsteren Erinnerungen durch die Gänge gehetzt. Das Highlight des Films ist definitiv seine visuelle Präsentation. Produktionsdesigner Joseph Bennett verwendete für die Außen- und Innenbereiche der Event Horizon Elemente und Motive aus Notre Dame und setzte diese in einem futuristischen Look neu zusammen, der sich wohltuend von Star Wars und Konsorten unterscheidet. Zusätzlich wächst die Wirkung der Sets durch Adrian Biddles hervorragende Lichtführung.

Hervorzuheben sind aber auch die Leistungen der Schauspieler, allen voran Sam Neil und Laurence Fishburne, die es schaffen, trotz der dünnen Vorlage ihre Figuren interessant und lebendig zu spielen. Und auch wenn Regisseur Paul W. S. Anderson hier keinen eigenen Stil vorzuweisen hat, immerhin macht er seine Sache wirklich solide und man kann sagen, dass es sich um seinen bislang besten Film handelt.

Nachdem Anderson Songs von Orbital bereits in Shopping und Mortal Kombat benutzt hatte, wollte er für seinen ersten großen Studiofilm ebenfalls auf das englische Techno-Duo zurück greifen. Als Kontrast zu den harten, elektronischen Technoklängen sollte Michael Kamen einen eher traditionellen, orchestralen Horror-Score schreiben. Kamen und Orbital arbeiteten in der Anfangsphase des Projektes eng miteinander zusammen. So buchte Kamen sogar ein kleines Orchester und ließ Orbital verschiedene Klänge und Effekte sampeln, die sie später in ihrer Musik verwenden konnten.

Das was Orbital dann am Ende an Kamen ablieferte waren mehrere lang Stücke und Bausteine, die dieser nach Belieben zerschneiden, auseinander nehmen und neu zusammensetzen sollte. Der im Film enthaltene Anteil von Orbital beschränkt sich, neben ein paar elektronischen Effekten, in erster Linie auf den „Main Title“. Ein harter Rave-Beat bildet die Grundlage, metallische Industrial-Samples und verzerrte Vocals kommen als eine Art akustisches Leitmotive hinzu. Kamens Orchester-Arrangements fallen wohltuend sparsam aus. Collagenhaft werden kurze Bläser- und Streichereffekte, Cressendi-Decressendi eingeworfen. Ein Fünf-Noten-Motiv im Solo-Horn mach das Ganze melodisch griffig, ohne den rohen Charakter der Techno-Musik zu verwässern.

Den Großteil des Scores im Film macht Kamens puristisch orchestrale Musik aus. Auch wenn dieser nicht viel von dem Film hielt („the film was an unadulterated piece of rubbish“), kann man Event Horizon ohne Zweifel als eine seiner besten Arbeiten zählen. Im Film macht die Musik ihre Aufgabe sehr gut. Kamens Musik räumt sich immer wieder Platz für großen, blechlastigen Bombast ein, in den Suspence Passagen tritt sie eher in den Hintergrund. Sein pingelig-penetrantes Underscoring hatte er zu der Zeit ohnehin zurückgefahren und dem Zeitgeist angepasst. In Event Horizon findet man chromatische Cluster, vereinzelt Aleatorik (wobei die wahrscheinlich auf die orchestralen Jam Sessions mit Orbital zurückgeht) und einige goldenthal‘sche Bläsereffekte. Insgesamt kann man sagen, es handelt sich bei Event Horizon um eine gelungene Arbeit, die, wenn man sie so veröffentlich hätte, wie sie im Film geschnitten ist, eine gute Durchschnittswertung bekommen hätte.

Wirklich interessant wird die Musik dagegen erst auf dem Soundtrack-Album. Dabei handelt es sich um eines jener Alben, bei denen die meisten Filmmusik-Hörer panisch nach dem Kruzifix greifen würden. Anstelle die einzelnen Cues einfach zu listen, wurden diese in vier längere Suiten mit der kompletten Orbital-Musik zusammengeschnitten. Sowohl jede Suite für sich als auch das gesamte Album folgt einer eigenen dramatischen Linie. Kamens und Orbitals Musik wechseln sich ab, werden gegenüber gestellt oder vermischt und neu zusammengesetzt.

Das Problem an Kamens Musik zu Event Horizon ist, dass sie, wie häufig bei Kamen, kein richtigen thematischen/motivischen oder konzeptionellen Aufhänger hat. Es gibt zwar eine wirklich große Anzahl kleinerer, motivisch genutzter Bausteine, diese haben aber, mit Ausnahme eines Zwei-Noten-Motivs im Abstand einer kleinen None, kaum genügend Prägnanz, um den gesamten Score zu tragen. Erst in der Gegenüberstellung können beide Stile wirklich brillieren, denn hier wird der daraus resultierende Gesamtklang zu einer Art Hauptthema des Scores.

Viele bemängeln die Abmischung des Albums. Während Orbitals Musik breit und voll im Vordergrund steht, erklingt Kamens orchestraler Part deutlich weiter aus dem Hintergrund. Das mag vielleicht Geschmackssache sein, aber mir persönlich gefiel die Konstellation immer sehr gut, denn so wird der Bruch zwischen den beiden Stilen noch verstärkt. Obwohl es natürlich schon schade ist, dass manches Detail in der Orchestrierung etwas untergeht und die Gegenseite nachvollziehbare Argumente hat.

Leider geht das Konzept des Albums auch nur in der ersten Hälfte der Spielzeit auf. Ab der dritten Suite hat man ein wenig den Eindruck, als wenn alle gute Parts aufgebraucht waren und nun „der Rest“ irgendwie ineinander gesteckt wurde. Mitunter wird die Spielzeit sogar noch durch unnötigen Einsatz von Orchestersamples gestreckt. Auch das Orbital-Material scheint ab diesem Punkt ebenfalls an sein Ende gekommen zu sein, denn nun wird einfach nur wiederholt, was bereits aus den ersten beiden Suiten bekannt ist.

Da das Soundtrack-Album immer noch zu vernünftigen Preisen gebraucht zu bekommen ist, kann der interessierte Hörer allerdings ohne weiteres Zugreifen. Die erste Hälfte kann hervorragend unterhalten, die zweite kann man als nette Dreingabe sehen. In jedem Fall handelt es sich bei Event Horizon um ein sehr ungewöhnliches Album, das vor allem durch seine Eigendynamik auch für Nicht-Filmmusikhörer von Interesse sein könnte. Nicht zu empfehlen ist es allerdings für jene, die Filmmusik pur und unverfälscht genießen wollen. Somit bleibt es bei starken 3,5 Punkten auch bei einem Kompromiss zwischen den Extremen.


Jan Selzer, 11.05.2011
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

3.5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-OST-

Spielzeit:
4 von 6 Punkten
Klangqualität:
4 von 6 Punkten
Schnitt:
5 von 6 Punkten
Begleittexte:
2 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
3 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 19. 1. 2013 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2013.