John Williams -
Insgesamt merkt man deutlich, dass es sich
hier um ein jüngeres Werk Williams' handelt. Besonders die Actionpassagen sind
durch die ausufernde, vielschichtige und kleinmotivige Arbeit gekennzeichnet,
die typisch für spätere Williams-Action sind. Auch sonst wirkt die Musik noch
ausufernder und schillernder orchestriert als die Musik zu den drei
Vorgängerfilmen. Die früheren Star Wars-Musiken
wirken kompakter und knackiger, auch scheint die Actionmusik besonders in Episode VI stärker durchstrukturiert und
flüssiger komponiert. Nichtsdestotrotz ist Episode
1 einer der unzähligen Beweise für Williams' außerordentliches Talent im
Umgang mit seinen Motiven und vor Allem in Sachen Orchestration. Besonders schön orchestriert und komponiert
ist das drollige Motiv für den tollpatschigen Gungan Jar-Jar Binks. Außerdem
komponierte Williams noch unzählige Seiten- und Nebenthemen sowie wundervolle
Passagen für bestimmte Momente und Situationen. Kennzeichnend für all die
Weltraumszenen sind auch Williams‘ kühlen freitonale Passagen für hohe
Violinen, Harfe und Holzbläsersoli, die, weder an Tonart noch Taktart gebunden,
frei durch den flirrenden Klangraum schweben. Auch die mystischen Passagen für
die Unterwasserfahrt mit sanften Chormomenten und schwelgenden Streichern sowie
die warmen Vertonungen für Anakin und Qui-Gon sind eindrucksvoll arrangiert und
komponiert. Actionfans kommen aber ebenfalls auf ihre
Kosten. Beeindruckend ist vor allem die Musik zur Flucht von Naboo, die mit
ihrem 15/8-Ostinato an Williams' Actionscoring früherer Zeiten anknüpft. Auch die furiosen
Momente für die Weltraumschlacht sind einsame Klasse. Absoluter Höhepunkt ist
natürlich das „Duel of the Fates“ mit dem treibenden Ostinato in den Bässen und
Fagotten, den einzelnen Bläsermotiven und dem satten Chorgesang in einer
Phantasiesprache. Neben all diesen neuen Momenten gibt es
natürlich auch Begegnungen mit bereits etablierten Themen wie dem „Macht“-Thema,
das mal würdevoll, mal triumphal erklingt. Ebenfalls sehr präsent ist das
düstere, von einem Männerchor gesummte Thema des Imperators, das stets bei den
Konversationen der Führer der Handelsföderation mit dem unerkannten Sith-Lord
Darth Sidious erklingt. Um die Machenschaften des Senators Palpatine
offenzulegen, arrangierte Williams eine triumphale Version des Imperator-Themas
für Kinderchor während der Finalen Freidensfeier der Naboo mit den Gungans.
Auch das Arrangement des Abspanns ist dasselbe wie in den ersten drei Filmen. Zum Premierentermin des Films erschien eine
Einzel-CD mit ungefähr der Hälfte der im Film zu hörenden Musik, die wie
gewohnt einen guten Hörfluss ermöglicht und von Williams persönlich arrangierte
Fassungen der Filmmusik enthält, in der Passagen kombiniert oder
zusammengestrichen wurden. So war es nur eine Frage der Zeit, bis ein
2-CD-Bootleg-Set in Sammlerkreisen die Runde machte und Sony sich entschied, bereits
2000 eine 2-CD-Ultimate Edition in einem Digipack mit einem reich bebilderten,
aber leider wenig informativem Booklet zu veröffentlichen. Die Fans waren von
der Neuigkeit sehr angetan, wurden jedoch schon beim ersten Hördurchgang
enttäuscht, denn anstatt die originalen Masterbänder zu verwenden, hatte Sony
sich entschieden, eine isolierte Musikspur des Films auf die CDs zu pressen.
Leider wurde Williams' Musik beim dritten Umschnitt des Films deutlich
zerstückelt und neu geschnitten, da keine Zeit mehr für Neuaufnahmen war. In
der Komplettfassung hat man diese Schnittfassung einfach beibehalten, sodass
teilweise ziemlich harsche und drastische Wechsel und Schnitte in der Musik zu
vernehmen sind, die den Hörfluss deutlich schmälern. Zwar bietet die neue
Version natürlich viele tolle auf der Einzel-CD vermisste Momente, allerdings
ist die momentane Präsentation durch die lieblose Zerstückelung nicht vorbehaltlos
anzuhören und teilweise nicht gänzlich frei von Leerlauf. Da die Enttäuschung
über das 2-CD-Set groß war, entschied sich Sony dagegen, zu den übrigen Filmen
ebenfalls Komplettfassungen zu veröffentlichen und es ist fraglich, ob sich die
Meinungen in dieser Hinsicht zukünftig Zukunft ändern werden. Wie dem auch sei, die Musik ist eine weitere großartige Filmmusik aus der Feder eines wahren Könners und sei nicht nur Star Wars-Fans, sondern Freunden wunderbar auskomponierter und gekonnt orchestrierter Filmmusik insgesamt empfohlen. Diese Rezension erschien zuerst
auf www.soundtrack-board.de. Gerrit Bogdahn, 19.09.2010 Details zum Soundtrack I. Die Musik
I. Die Alben -OST-
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Als George Lucas 16 Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter beschloss,
einen weiteren Star Wars-Film zu
drehen, waren die Erwartungen hoch. Endlich sah sich Lucas in der Lage, seine
Phantasiewelt in Anbetracht der aktuellen technischen Möglichkeiten angemessen
umsetzen zu können. Der Film spielt 30 Jahre vor Episode IV: Eine neue Hoffnung und zeigt, wie es zu den Ereignissen
rund um Darth Vader kommen konnte. Fans der alten Serie waren dermaßen
gespannt, dass sie sich, als die erste Vorschau in den Kinos zu sehen war, eine
Eintrittskarte kauften und den Saal vor Beginn des Hauptfilms wieder verließen.
Tagelang zeltete man vor den Verkaufsstellen – um sich nach dem Anschauen des
Films in zwei Parteien zu spalten. Einige hielten den Film für einen würdigen
Nachfolger, andere sehen Episode 1
nur als zu glatt polierten Kinderfilm mit einer Überdosis Albernheit und
Effekten.