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Rezensionen - Star Wars: Episode I - The Phantom Menace
 


John Williams
-

Als George Lucas 16 Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter beschloss, einen weiteren Star Wars-Film zu drehen, waren die Erwartungen hoch. Endlich sah sich Lucas in der Lage, seine Phantasiewelt in Anbetracht der aktuellen technischen Möglichkeiten angemessen umsetzen zu können. Der Film spielt 30 Jahre vor Episode IV: Eine neue Hoffnung und zeigt, wie es zu den Ereignissen rund um Darth Vader kommen konnte. Fans der alten Serie waren dermaßen gespannt, dass sie sich, als die erste Vorschau in den Kinos zu sehen war, eine Eintrittskarte kauften und den Saal vor Beginn des Hauptfilms wieder verließen. Tagelang zeltete man vor den Verkaufsstellen – um sich nach dem Anschauen des Films in zwei Parteien zu spalten. Einige hielten den Film für einen würdigen Nachfolger, andere sehen Episode 1 nur als zu glatt polierten Kinderfilm mit einer Überdosis Albernheit und Effekten.

Für die Musik zeigte sich wieder John Williams verantwortlich, der auch schon die alten drei Filme vertonte und besonders mit Das Imperium schlägt zurück der Leitmotivtechnik in der Filmmusik zu neuem Ruhm verhalf und mit seinen Star Wars-Musiken als Renovator großorchestraler Musiken in Filmen gilt. Auch in Episode 1 bleibt Williams seinem großorchestralen Stil treu und setzt sogar regelmäßig Chöre ein, um weitere Klangfarben zu erzeugen. Auch elektronische Elemente finden hier und da ihren Einsatz.

Insgesamt merkt man deutlich, dass es sich hier um ein jüngeres Werk Williams' handelt. Besonders die Actionpassagen sind durch die ausufernde, vielschichtige und kleinmotivige Arbeit gekennzeichnet, die typisch für spätere Williams-Action sind. Auch sonst wirkt die Musik noch ausufernder und schillernder orchestriert als die Musik zu den drei Vorgängerfilmen. Die früheren Star Wars-Musiken wirken kompakter und knackiger, auch scheint die Actionmusik besonders in Episode VI stärker durchstrukturiert und flüssiger komponiert. Nichtsdestotrotz ist Episode 1 einer der unzähligen Beweise für Williams' außerordentliches Talent im Umgang mit seinen Motiven und vor Allem in Sachen Orchestration.

Da in Episode 1 viele neue Charaktere eingeführt wurden und viele Figuren aus den ersten Filmen noch gar nicht auftauchen, musste Williams eine große Zahl an neuen Motiven und Themen komponieren, um seiner Leitmotivtechnik treu zu bleiben. Die zentrale Figur in den Filmen ist Anakin Skywalker, der die Macht ins Gleichgewicht bringen wird. Williams komponierte für den im Film erst achtjährigen Jungen ein zartes und melodisches Thema, hauptsächlich für Flöte und Streicher voller Wärme und Harmonie, das zum Schluss in der Harfe jedoch das zentrale Motiv des „Imperial March“ anklingen lässt. Auch für Anakin und seine Mutter komponierte Williams einfühlsame und wundervolle Passagen für ähnliche Besetzung. Qui-Gon Jinn, der Meister Obi-Wans und Förderer Anakins, erhielt ein nobles und edles Motiv, das in „Anakin the winner“ voll ausgespielt wird. Für die Droidenarmee komponierte Williams einen ruppigen Marsch und der Sith-Kord Darth Maul erhielt bedrohliche Flüsterstimmen.

Besonders schön orchestriert und komponiert ist das drollige Motiv für den tollpatschigen Gungan Jar-Jar Binks. Außerdem komponierte Williams noch unzählige Seiten- und Nebenthemen sowie wundervolle Passagen für bestimmte Momente und Situationen. Kennzeichnend für all die Weltraumszenen sind auch Williams‘ kühlen freitonale Passagen für hohe Violinen, Harfe und Holzbläsersoli, die, weder an Tonart noch Taktart gebunden, frei durch den flirrenden Klangraum schweben. Auch die mystischen Passagen für die Unterwasserfahrt mit sanften Chormomenten und schwelgenden Streichern sowie die warmen Vertonungen für Anakin und Qui-Gon sind eindrucksvoll arrangiert und komponiert.

Actionfans kommen aber ebenfalls auf ihre Kosten. Beeindruckend ist vor allem die Musik zur Flucht von Naboo, die mit ihrem 15/8-Ostinato an Williams' Actionscoring  früherer Zeiten anknüpft. Auch die furiosen Momente für die Weltraumschlacht sind einsame Klasse. Absoluter Höhepunkt ist natürlich das „Duel of the Fates“ mit dem treibenden Ostinato in den Bässen und Fagotten, den einzelnen Bläsermotiven und dem satten Chorgesang in einer Phantasiesprache.

Neben all diesen neuen Momenten gibt es natürlich auch Begegnungen mit bereits etablierten Themen wie dem „Macht“-Thema, das mal würdevoll, mal triumphal erklingt. Ebenfalls sehr präsent ist das düstere, von einem Männerchor gesummte Thema des Imperators, das stets bei den Konversationen der Führer der Handelsföderation mit dem unerkannten Sith-Lord Darth Sidious erklingt. Um die Machenschaften des Senators Palpatine offenzulegen, arrangierte Williams eine triumphale Version des Imperator-Themas für Kinderchor während der Finalen Freidensfeier der Naboo mit den Gungans. Auch das Arrangement des Abspanns ist dasselbe wie in den ersten drei Filmen.

Zum Premierentermin des Films erschien eine Einzel-CD mit ungefähr der Hälfte der im Film zu hörenden Musik, die wie gewohnt einen guten Hörfluss ermöglicht und von Williams persönlich arrangierte Fassungen der Filmmusik enthält, in der Passagen kombiniert oder zusammengestrichen wurden. So war es nur eine Frage der Zeit, bis ein 2-CD-Bootleg-Set in Sammlerkreisen die Runde machte und Sony sich entschied, bereits 2000 eine 2-CD-Ultimate Edition in einem Digipack mit einem reich bebilderten, aber leider wenig informativem Booklet zu veröffentlichen. Die Fans waren von der Neuigkeit sehr angetan, wurden jedoch schon beim ersten Hördurchgang enttäuscht, denn anstatt die originalen Masterbänder zu verwenden, hatte Sony sich entschieden, eine isolierte Musikspur des Films auf die CDs zu pressen. Leider wurde Williams' Musik beim dritten Umschnitt des Films deutlich zerstückelt und neu geschnitten, da keine Zeit mehr für Neuaufnahmen war. In der Komplettfassung hat man diese Schnittfassung einfach beibehalten, sodass teilweise ziemlich harsche und drastische Wechsel und Schnitte in der Musik zu vernehmen sind, die den Hörfluss deutlich schmälern. Zwar bietet die neue Version natürlich viele tolle auf der Einzel-CD vermisste Momente, allerdings ist die momentane Präsentation durch die lieblose Zerstückelung nicht vorbehaltlos anzuhören und teilweise nicht gänzlich frei von Leerlauf. Da die Enttäuschung über das 2-CD-Set groß war, entschied sich Sony dagegen, zu den übrigen Filmen ebenfalls Komplettfassungen zu veröffentlichen und es ist fraglich, ob sich die Meinungen in dieser Hinsicht zukünftig Zukunft ändern werden.

Wie dem auch sei, die Musik ist eine weitere großartige Filmmusik aus der Feder eines wahren Könners und sei nicht nur Star Wars-Fans, sondern Freunden wunderbar auskomponierter und gekonnt orchestrierter Filmmusik insgesamt empfohlen.


Diese Rezension erschien zuerst auf www.soundtrack-board.de.


Gerrit Bogdahn, 19.09.2010
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-OST-

Spielzeit:
5 von 6 Punkten
Klangqualität:
5 von 6 Punkten
Schnitt:
3 von 6 Punkten
Begleittexte:
2 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
5 von 6 Punkten

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