David R. Ellis, ehemaliger Stuntman und Second Unit Director bekannter Filme wie Waterworld, Harry Potter and the Philosopher's Stone und Matrix Reloaded, versucht sich nach Final Destination 2 ein zweites Mal auf dem Regiestuhl der Reihe rund um den Tod und seine Opfer. Wer nach einem schwachen dritten Teil hoffte, in dem nun vorliegenden vierten Teil irgendeine Weiterentwicklung oder Verbesserung finden zu können, der wird nach der neuerlichen Reinkarnation desillusioniert das Kino verlassen. Ellis hält sich streng an das bekannte Schema der Serie: Ein Protagonist wirft via Tagtraum einen Blick in die nahe Zukunft, sieht eine tödliche Katastrophe und kann daraufhin mit einigen Begleitern dem Tod entkommen. Danach werden diese höchstpersönlich vom Sensenmann heimgesucht und nach den Regeln der Splatterkunst um die Ecke gebracht.
Die Änderungen im Erzählstil sind nur marginal, wobei natürlich die tödlichen Szenen wesentlich überzogener als in den Vorgängerfilmen inszeniert werden. Da darf auch mal die Umwälzpumpe eines Swimmingpools einen kompletten Mann ansaugen, um ihn als Gulasch wieder auszuspucken. Alles ist potenziell böse: die Ingredenzien einer harmlosen Rolltreppe sehen aus, als könnten sie komplette Baumstämme hechseln, und auch der obligatorische Pressluft-Nagler, der unaufgefordert riesige Nägel meterweit abfeuert, darf nicht fehlen.
Dass dadurch die Tragik der eigentlichen Filmidee verloren geht, mag man verschmerzen, weil sich statt dessen ein urkomischer schwarzer Humor einstellt. An der Phantasielosigkeit des Drehbuchs und der biederen Inszenierung ändert dies freilich nichts.
Tylers Musik zum Film hält sich auf melodischer Ebene vornehmlich an das von der verstorbenen Shirley Walker entwickelte Hauptthema, ohne den eigenen Personalstil aus den Augen zu verlieren. Personalstil bedeutet im Falle Tylers bekanntlich: Vorrangig lautes Gewummer, stürmische Violinen-Pattern, Stakkati, inklusive ständiger Anleihen an James Horners Aliens-Vertonung. Obgleich sich Tyler kaum Neues einfallen lässt und sich wieder einmal auf bewährte Horror-/Actiongenre-Schemata zurückzieht, muss der Vertonung eine gewisse Qualität eingeräumt werden, was sicherlich mit der Vorarbeit Walkers zu tun hat. Dazu kommt ein für Tylers Verhältnisse atmosphärisch ungewohnt dichtes Sounddesign, was dem Score – wenn gerade dramaturgische Flaute droht – hin und wieder Spontaneität einhaucht.
Die Musik setzt zwar einen klaren Fokus auf Action, Tyler schafft es aber, sich etwas von seiner brachialen Art, die in der Vergangenheit allzu unsicher gewirkt hatte, zu distanzieren. The Final Destination könnte daher in der Karriere des Musikers einen Wendepunkt markieren, hin zu mehr Souveränität und kompositorischer Selbstsicherheit. Übergänge gestalten sich weniger abrupt, und auch musikalische Steigerungen und Stimmungswechsel gelingen Tyler, so zu finden insbesondere in den beiden Cues „The Movie Theater“ und „The Raceway“. Beide Stücke erinnern zwar an Aliens versus Predator 2 - Requiem, die Musik kann sich aber vom stupiden Krawall des Franchise lösen und findet einen Weg zu mehr Melodik, die innerhalb des rockigen Einschlags ausgewalzt wird. Auch verzichtet der Komponist weitestgehend auf die in der Vergangenheit überstrapazierten Posaunen-Glissandi und überhaupt platte Effekttexturen. Zu den Highlights des Albums gehören neben „Nailed“, „Sushi for Everyone“, „Memorial“ das schon erwähnte „Movie Theater“ und natürlich die dreizehnminütige „Final Destination Suite“, welche dem Album letztlich zu fairen drei Punkten verhilft.
Fazit: Solide Routinearbeit der eine kleine Empfehlung ausgesprochen werden kann. Wie es aussieht, ist Tyler auf dem richtigen Weg – Actionfans werden ihren Spaß mit der Musik haben. Den Film indes kann man sich getrost schenken.
Oliver M. Strate, 01.10.2009
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