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Rezensionen - Honey, I Shrunk the Kids
 


James Horner
-

Mit den Worten „Ich schaue auf die Erde. Sie ist groß und strahlend und schön.“ betrat Neil Armstrong vor 40 Jahren als erster Mensch den Mond. Die Erde aus solch einer Entfernung betrachtend, mag sein Kommentar ironisch erscheinen, vergleicht man ihn mit den Erfahrungen vierer Kinder, die durch eine Maschine in klitzekleine Miniaturausgaben ihrer selbst verwandelt werden.

Wie im Szenario des 1989 erschienenen Disney-Films Honey, I Shrunk The Kids (dt.: „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“). Erzählt wird die Geschichte zweier Nachbarn, die sich ganz und gar nicht leiden können. Die gegenseitige Abneigung der Eltern hat sich auch auf die Kinder übertragen. Der Vater der Szalinskys ist Forscher und entwickelt allerhand verrückte Maschinen, darunter auch eine Schrumpfmaschine. Durch Zufall werden die vier Kinder gemeinsam geschrumpft und sehen die Welt nun mit ganz anderen Augen: alles ist so unheimlich groß, im Gras verirrt man sich und selbst kleinste Tiere werden zu Gefahren oder treuen Freunden ...

Der Disney-Film reiht sich in die Reihe vieler klassischer Filmen aus selbigem Hause ein, die sich mit ähnlicher Thematik beschäftigt haben (The Absent-Minded Professor / The Incredible Shrinking Man). Es war zudem das cineastische Debüt für Regisseur Joe Johnston, das an den Kassen wie eine Bombe einschlug. Er hatte sich zuvor als Szenenbildner bei George Lucas’ Star Wars-Trilogie einen Namen gemacht (unter anderem war Johnston maßgeblich an der Entwicklung Yodas und Boba Fetts beteiligt). Aufgrund des großen Erfolgs des Honey-Films folgten Fortsetzungen und eine TV-Serie, bei denen Johnston den Platz im Regiesessel jedoch nicht mehr selbst einnahm.

Für die musikalische Untermalung wurde damals der frisch gebackene Star der Filmmusikszene James Horner engagiert, der mit Werken wie Aliens, Krull, Star Trek II: The Wrath of Khan und seinem wohl besten Score A Land Before Time reichlich Anerkennung erfahren hatte. Regisseur Johnston war wohl mit dessen Arbeit zufrieden, denn beide arbeiteten auch später für The Rocketeer (1991) und Jumanji (1995) wieder zusammen.

Die Musik des Kaliforniers für Honey, I Shrunk The Kids ist ein eklektisches Gemisch aus sehr jazzigen Passagen, monumental anmutenden Sequenzen und voll-orchestralen Momenten. Garniert und abgerundet wird das Ganze mit sentimental-melancholischen Melodien, die als Gesamtbild eine recht abwechselungsreiche und stimmige Partitur ergeben. Trotz alle dem wird hier Horners ‚Lust am Klau’ sehr offensichtlich. Es sind nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Prokofjew, Tschaikowsky oder Horner höchst selbst, die beklaut werden, sondern diesmal auch Kollege Nino Rota. Dieser hatte das Thema für den Film Amarcord (1973) geschrieben, welches Horner so lässig kopierte und zum Hauptthema des Scores auserkor. Rotas Erben erkannten das Plagiat, klagten und so wurde der Name Nino Rota nachträglich mit in den Abspann aufgenommen. Horner änderte die einprägsame Melodie allerdings ein wenig ab, indem er das Tempo erhöhte und überdies Jazzelemente mit einbrachte.

Doch wo Schatten ist, muss auch Licht sein: Das furiose Thema wird von Horner geschickt und vielseitig verwendet, indem es manchmal in ein cartoonartiges Klanggewand gesteckt oder zu einer melancholischen Melodie abgewandelt wird. Besonders Horners Talent, genau die passende musikalische Untermalung zur jeweiligen Szene zu finden, kommt in einigen Passagen zum Vorschein. Für die klitzekleinen Kinder ist Alles unendlich groß, Horners Vertonungskonzept setzt genau an diesem Punkt an, wofür der Komponist eine Kombination aus einer monumental-brachialen Orgel vermengt mit tiefen Streichern sowie düsteren Blechfiguren wählt. Besonders aggressiv wird das musikalische Getümmel, als die Kinder vor dem Rasenmäher fliehen müssen, mit dem gerade das Gras geschnitten wird („Lawn Mower“). Nach lieblichen Statements des Themas für die Kinder (zu deutlich von Willow aus 1988 kopiert um nicht als Plagiat gebrandmarkt zu werden) in verschiedenen Instrumentengruppen wird das Klanbild düsterer (inklusive altbekanntem Gefahrenmotiv), bevor der Track richtig an Fahrt gewinnt: Das Hauptthema erscheint hier äußerst kraftvoll, da mit vollem Blech instrumentiert und von markanten Trompetenphrasen akzentuiert. Im Hintergrund pocht immer wieder eine massive Orgel, die den Eindruck von immenser Größe verstärkt.

Ähnlich rasant geht es in „Eaten Alive“ weiter: Auch wenn der Track mehrere Anleihen an Willow beinhaltet, ist das Klangergebnis hier jedoch ein ganz anderes, denn aus dunklen Blechakkorden gepaart mit col legno-Schlägen resultiert eine andere Klangfarbe als in Willow. Wieder ruhiger wird es im finalen Titel „Thanksiving Dinner“, in dem das spritzige Hauptthema sowie das melancholische Subthema erneut aufgegriffen werden und einen runden Abschluss bilden.

Honey, I Shrunk The Kids war der Auftakt des Labels Intrada zu einer Reihe von lang erwarteten Horner-Alben. Es folgten Something Wicked This Way Comes,  The Journey of Natty Gann,  House of Cards und die eher unspektakuläre Musik zu Extreme Close-Up. Bis auf Honey, I Shrunk The Kids sind alle weiteren Horner-Alben, die dieses Jahr erschienen sind, schon ausverkauft. Intrada legte großen Wert auf eine gute Klangqualität und der knackig-frische Sound kann sich durchaus hören lassen. Als gelungen darf man auch das informative Booklet bezeichnen.

James Horner gelang es also, trotz Plagiaten und (Stil-)Kopien, eine sehr unterhaltsame Partitur zu komponieren, die auf CD keinerlei Durchhänger hat. Somit ist diese CD allen Horner-Fans unbedingt und auch darüber hinaus beinahe ohne Vorbehalte zu empfehlen.


Ludwig Hollmann, 09.01.2010
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

3.5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-OST-

Spielzeit:
5 von 6 Punkten
Klangqualität:
5 von 6 Punkten
Schnitt:
4 von 6 Punkten
Begleittexte:
5 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
3 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 14.08.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.