Hans Zimmer -
Wie in vielen anderen Cruise-Filmen liegt auch bei Last Samurai die Inszenierung klar über dem Durchschnitt, ein Verdienst, das sicherlich Regisseur Edward Zwick zuzuschreiben ist. Dieser kann auf einige Erfahrung in der Verfilmung von Stoffen zurückblicken, die (amerikanischen) Militarismus nicht ohne Vorbehalte glorifizieren, sondern auch kritische Untertöne enthalten (Glory, Courage Under Fire). So wird eine kritische Distanz zur westlichen Lebensweise und dem Kolonialismus, einem Zeitalter großer kultureller Intoleranz und ausgeprägtem Imperialismus, durchaus glaubhaft eingenommen. Unglücklicherweise wird diese erfreuliche Sichtweise in ihrer Wirkung durch den unnötig pathetischen Schluss geradezu konterkariert; hier zeigt sich einmal mehr die (jüngst wieder stark zunehmende) Tendenz Hollywoods zu heldenhaften Gesten und patriotischem Heldenmut. Visuell vermag der Film, der in üppigen Bildern schwelgt und grandios choreographierte Schlachtenszenen zeigt, dafür umso mehr zu überzeugen. Den Schauwerten des Spektakels kann somit der epische Atem zugesprochen werden, den man bei der allzu geradlinig erzählten Story leider vermisst. Musikalisch wurde The Last Samurai von Hans Zimmer betreut, was in Anbetracht der bisherigen Zusammenarbeit Zwicks mit James Horner (Glory, Legends Of The Fall, Courage Under Fire) zumindest etwas überraschte. Für Zimmer, der sich in letzter Zeit verstärkt kleineren Projekten zugewandt hatte, war Last Samurai die erste episch angelegte Partitur seit seinem großem Hit aus dem Jahre 2000, dem Gladiator. Grundsätzlich hat sich der Komponist auch hier ganz ähnlicher Elemente bedient: Mit Orchester, Synthetik, Chören und zusätzlichem ethnischem Instrumentarium versucht Zimmer, eine möglichst große Klangvielfalt zu erzielen, die von introvertierter Lyrik bis hin zu rohem Bombast reicht. Anders als der Gladiator hat Last Samurai natürlich einen in Teilen ausgeprägt fernöstlichen Einschlag. Neben Shakuhachi und Koto macht Zimmer oft exzessiven Gebrauch von Taikos, den großen japanischen Trommeln. Erfreulicherweise bietet das ansonsten schlicht gehaltene Booklet einen Einblick in die Besetzung des verwendeten Ensembles und damit auch der Bestandteile des typischen Media Ventures-Sounds: Obwohl knapp 80 Musiker eingesetzt worden sind, fehlen im Orchester mehrere essentielle Bestandteile einer sinfonischen Besetzung, etwa Violen, Trompeten, Holzbläser und Schlagwerk. Somit ergibt sich auch hier der mächtige, zimmersche Bombastklang aus einem groß dimensionierten Streicherapparat (aus Violinen und Celli) und einer großen Sektion schweren Blechs samt donnerndem, größtenteils synthetischem Bass-Fundament. Im Großen und Ganzen ist das Album zwar ein stimmiges und gut fließendes, aber kaum mitreißendes Hörerlebnis. Manche der ruhigeren Passagen sind durchaus ansprechend ausgearbeitet. Positiv zu erwähnen bleibt auch, dass der Einsatz von Synthesizern kaum noch störend oder gar penetrant wirkt, was im Gladiator partiell noch der Fall war. Den Auftakt des Albums bestreitet das zuerst friedvolle, leicht meditative „A Way Of Life" mit einem ersten, kurzen Einsatz der Shakuhachi. Daraufhin führt Zimmer ein passables, lyrisch gehaltenes 6-Noten-Thema ein, das weite Teile der Partitur dominiert. Die melancholische Streicherfolge, die recht deutlich an The Thin Red Line erinnert, wird oft – harmonisch gefällig – von einem elektronisch verfremdeten, dadurch etwas „über den Dingen" schwebenden Cello begleitet. Schon bald nimmt „A Way of Life" einen heroischeren Tonfall an und stellt das ebenfalls eher einfach gehaltene Action- und Heroenthema des Scores vor, welches zwar nicht vergleichbar prägnant und packend ausfällt wie das Action-Thema im Gladiator, das aber nach mehrmaligem Anhören dennoch ganz gut ins Ohr geht. Die kaum vorhandene Entwicklung des thematischen Materials entpuppt sich jedoch als ein deutlicher Minuspunkt und lässt das Album als bisweilen recht abwechslungsarm und monoton erscheinen. Sauber gearbeitete, durchaus unterhaltsame Action bieten „Taken" und „The Way of the Sword". In letzterem Stück dominieren gegen Ende elegische, hohe Streicher, die wie vergleichbare Passagen aus Thin Red Line, eine deutliche Anlehnung an Richard Wagners Oper Lohengrin erkennen lassen. Trotz dieser offensichtlichen Stilkopie kann der dadurch erreichte Kontrast dennoch als gelungen und stimmungsvoll bezeichnet werden. Als recht schwach habe ich hingegen die Integrierung der ethnischen Elemente empfunden: So kommt der Einsatz von Shakuhachi und Koto (mit Ausnahme einer Passage in „Spectres in the Fog") nicht über blasses, untermalendes Lokalkolorit hinaus, vor allem aber der Gebrauch der Taikos offenbart einige handwerkliche Schnitzer (und erinnert außerdem deutlich an Pearl Harbor): Zimmer setzt die voluminösen Trommeln lediglich zu ohrenbetäubenden percussion crashes oder als rhythmusgebendes Element im Hintergrund ein - hier muss man klar von einer vertanen Chance sprechen. Auch der große, Schlachtrufe intonierende Chor in „Red Warrior" hinterlässt einen eher übertriebenen und aufgesetzten, denn überzeugend archaisierenden Eindruck. Im Endeffekt entwickelt das fast einstündige Album kaum den Flair und die Kraft des deutlich motivierteren Gladiators. Zudem scheint auch Hans Zimmer in seinen neuen Filmmusiken mehr und mehr auf bereits Geschaffenes und Versatzstücke eigener Kompositionen zurückzugreifen. Deshalb ist die CD nur für Fans des Komponisten wirklich empfehlenswert, für alle anderen lediglich eine passable Hörangelegenheit, die eine der schwächsten groß angelegten Filmvertonungen des Jahres 2003 darstellt. Details zum Soundtrack I. Die Musik
I. Die Alben -CD-
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