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Rezensionen - Baby - Secret of the Lost Legend
 


Jerry Goldsmith
-

Dinosaurier, die ausgestorbenen Giganten der Jurazeit gibt es heute nur noch in Einzelstücken im Museum oder – wie kürzlich wieder in Ice Age 3 – im Kino zu sehen. Bahnbrechend war 1993 Steven Spielbergs Jurassic Park , dem auch sofort zwei Fortsetzungen folgten. Doch schon fast ein Jahrzehnt bevor Spielberg die einstigen Herrscher der Erde in revolutionärer Animationstechnik auf dem Silbertablett präsentierte, konnte man Dinosaurier auf der Leinwand bestaunen. 1985 brachte Disney Baby – Secret Of The Lost Legend heraus, einen Film, der zwei Forscher bei ihrer abenteuerlichen Reise durch den Dschungel begleitet. Diese werden durch Eingeborene von ihrem Team getrennt und finden zwei Brontosaurier vor, ungeheuer große, aber friedliche Pflanzenfresser. Kaum entdeckt, greift der Leiter der Expedition das weibliche Tier zusammen mit einer Gruppe von bewaffneten Söldnern an. Der Dinovater taucht aus dem Dickicht auf und opfert sich selbst, sein Weibchen wird dennoch entführt. Zurück bleiben das Baby und ein verzweifeltes Forscherduo. Sie beschließen, die Dinomutter zu befreien, was ihnen nach einem actiongeladenen Showdown auch gelingt.

Mit der Komposition der Musik wurde seinerzeit Jerry Goldsmith beauftragt. Er war natürlich im Genres des Abenteuerfilms kein Neuling, doch stellte ihn der Score vor eine große Herausforderung:  Baby ist einerseits ein süßlicher Kinderfilm, andererseits ein Actionfilm mit tiefer gehender Thematik. Goldsmiths Musik lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen. Ersterer untermalt das tropische Dschungel-Setting mit exotischen Holzbläsersoli, wobei die düsteren und unheimlichen Momente mit flirrenden Streichern und tiefen Synthesizern vertont werden. Die gelegentlichen Flöteneinsprengsel erinnern hierbei an sein Fantasywerk Legend, das im gleichen Jahr entstand. Zudem taucht ein tropisch-exotisches Nebenmotiv für Trommeln und Synthesizer („New Friends #1“) auf.

Der zweite Teil der Musik bietet eine pompöse Fanfare für die Dinosaurier, wobei der einleitende Quintsprung sehr an The Wind and the Lion  erinnert. Meist wird das Thema vom tiefen Blech vorgetragen („The Family“ und „Dad“, wobei Goldsmith in letzterem Cue schon mit dem Actionscoring beginnt). Als zweite zentrale Melodie entpuppt sich das Baby-Thema, das sich von der Dino-Fanfare ableitet. Das lieblich-charmante und zugleich verspielte Thema wird von Synthesizern, gelegentlich aber auch vom Orchester intoniert. Häufig wird es von warmen Streichern und exotisch anmutenden Trommeln begleitet („Dragon Breath“), hin und wieder liefert auch ein Synthi-Cembalo die Akkorde. Die Synthesizer, die Goldsmith gerade ab 1985 ein stetiger Begleiter waren, werden hier zum Teil experimentell verwendet, so erzeugt der Komponist mit ihnen zum Beispiel eine Art Blubbern („The Tent“). Meistens verwendet er sie aber für düstere Untermalung und das Baby-Thema, das besonders auf das jüngere Publikum zugeschnitten wurde, um den Film trotz seiner Dramatik (wie den Tod des Dinosauriervaters) für Kinder tauglich zu gestalten; gerade bei Kindern liegt die Spannung stärker im Gehörten als im Gesehen.

Action zu hören und zu bekommen sie jedoch besonders im letzten Drittel des Films. Das Forscherpärchen hat die Dinomutti gefunden und nun gilt es, sie zu befreien. Goldsmith baut seine Actionpassagen auf treibenden Streicherostinati auf, mit martialisch-brachialen Einwürfen der Dino-Fanfare, wabernder Synthesizerbegleitung oder -soli, schroffen Trompeteneinwürden und pochender Perkussion. Die Tour de Force erreicht in „The Rescue“ ihren fulminanten Höhepunkt: Die über weite Strecken im 5/8-Takt notierte Actioneskapade bietet packende Rhythmik, bedrohlich brodelnde Synthesizer im Hintergrund und ein absteigendes, knackiges Blechmotiv – also Alles, was damals goldener Standart war. In die furiosen Streicherläufe mischen sich Fragmente der kraftvollen Dinosaurierfanfare sowie ethnisches Schlagwerk. Die Actioncues sind ein Vorbote dessen, was bei Goldsmith später in den 80ern zum Standard werden würde, in Rambo - First Blood Part II aus dem gleichen Jahr baute er den Synthesizeranteil weiter aus und entwickelte seine Actionschemata vermehrt zu ostinaten Strukturen.Alle drei Ebenen der Musik werden im finalen Track „Just A Legend“ vereint: Nach einer melancholisch angehauchten und ausgiebigen Variation des Baby Themas steigert sich das Tempo zu einem brachialen und triumphalen Statement der Dino-Fanfare.

Intrada veröffentlichte zur Überraschung aller Filmmusikfans die komplette Musik in sauberer Klangqualität. Auszüge der Musik, die Goldsmith angeblich sehr schätzte, gab es bisher lediglich auf einer CD der Film Music Society. Die CD erschien 1993 und der Komponist selbst setze sich dafür ein, dass seine Musik zu Baby – Secret Of The Lost Legend auf der ihm gewidmeten CD vertreten war. Er war stolz darauf, die beiden Elemente Kinderfilm und Actionfilm so gut miteinander verwoben zu haben. Die diesjährige, auf 3000 Stück limitierte Intrada Special Collection war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, sodass sie kurz darauf nur für Preise in Schwindel erregender Höhe über die virtuelle Ladentheke Ebay wanderte. Mittlerweile lässt sich die CD mit ein bisschen Geduld auch für akzeptablere Preise erstehen, mit ca. 30€ sollte man aber rechnen. Ob einem die gute, aber sicherlich nicht überragende Musik so viel wert ist, bleibt dabei jedem selbst überlassen.


Ludwig Hollmann, 01.11.2009
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

3.5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-OST-

Spielzeit:
5 von 6 Punkten
Klangqualität:
4 von 6 Punkten
Schnitt:
4 von 6 Punkten
Begleittexte:
5 von 6 Punkten

Unterhaltung:
4 von 6 Punkten
Anspruch:
4 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 14.08.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.