David Arnold -
Der Main Title des Science-Fiction-Spektakels, „1969 – We Came in Peace", der in zwei Versionen veröffentlicht wurde, baut sofort Spannung auf durch einen brummenden Klangteppich, auf dem sich ein angespannt-zart gespieltes Trompetensolo, gefolgt von mehreren Streichern die Ehre geben und Unheil erahnen lassen. Das Ganze wird gegen Ende immer lauter und endet in den letzten Sekunden mit einer Kirchenorgel-ähnlichen Klangfarbe, die das Erscheinen von etwas „Göttlichem" oder „Himmlischem" sarkastisch-zögernd andeutet. Den ersten Kontakt mit außerirdischem Leben hat der Hörer in Track 2. Zu Beginn zeigt sich „S.E.T.I. – Radio Signal" affektflach, gelangweilt und mürbe – also ungefähr so, wie sich die Wissenschaftler des S.E.T.I. Projektes , nach jahrelangem Forschen ohne Erfolgserlebnis, fühlen müssen. In der letzten Minute aber schaltet sich dann plötzlich im 5-Sekunden-Takt ein Bassimpuls ein, der wie ein außerirdisches „an die Tür klopfen" gefolgt von einem (hört man genau hin) markerschütterndem, bedrohlichem Alien-Gekreische wirkt. Mit „The Darkest Day" (Track 3) zeigt uns Arnold in musikalischer Form, wie sich die xenomorphen Geschöpfe zur Invasion bereitmachen. Eine einfache Melodie wird in zwei Minuten mehrmals wiederholt und bei jedem Durchgang gesteigert, bis sich die Spannung explosionsartig in einem lauten, aufdringlichem Chor entlädt, der jetzt zur ersten musikalischen Gewaltorgie schreitet; spätestens hier ist klar, dass die Aliens weder freundlich sind, noch in friedlicher Mission die Erde besuchen.
„Aftermath" (Track 7) – zu deutsch Nachwirkung - ist in der Länge von zweieinhalb Minuten eine Elegie, die dann in den letzten sechzig Sekunden kurz Hoffnung schöpft und abschließend andeutungsweise für einen Augenblick dem Pathos verfällt. „Base Attack" (Track 8) kommt „Firestorm" nahe, ist aber zeitlich ausgedehnter und schwungvoller. Kurze melodiöse Einschübe geben dieser kriegerischen Passage einen leicht humanistischen Einschlag, dann aber versteht es der Komponist sofort wieder, mit reichlich schrägem Blech, Bass und akustischen Effekten die Aliens zurückschlagen zu lassen. Der Kampf ist aussichtslos; die letzten überlebenden Piloten werden zurückgerufen, und auch „Base Attack" endet schlagartig ohne irgendwelche weiteren musikalischen Statements, die ohnehin sinnlos wären. „EI Toro Destroyed" (Track 9) wirkt zu Beginn ähnlich wie „Aftermath", ist aber lange nicht so wehklagend und tieftraurig. Durch einen engelartigen Chorgesang und den gänzlichen Verzicht auf Dissonanzen bereitet Arnold den Zuschauer unterschwellig auf den Gegenschlag vor frei nach dem Motto: „Der Film ist noch nicht vorbei, gleich kommt die Lösung".
David Arnold hat nicht nur eine phantastisch-wuchernde Filmmusik komponiert, er hat auch ein Gesamtkunstwerk erschaffen, über das man vermutlich noch Jahre und Jahrzehnte sprechen wird und welches sicher noch viele tausend Freunde findet. Weitere Pluspunkte sind der exzellente Klang in HDCD-Qualität, der so manche Audio-DVD in den Schatten stellt, und ein immerhin solides Booklet mit kurzem Text zum Film. Einziges Manko: Das Tracklisting ist auf der CD aufgedruckt und weder im Booklet, noch außen auf der CD-Hülle zu finden – dies kann sich beim Hören als lästig erweisen. Details zum Soundtrack I. Die Musik
I. Die Alben -CD-
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Der von vielen nach Erscheinen zu unrecht als „rüde Lärmkost", „Einstampfmusik" und „einfallslos" beschimpfte Arnold-Score hat mittlerweile zu recht viele Freunde und Liebhaber. Wohingegen der Film wenig Neues bietet und der Plot außerordentlich fehlerbehaftet ist, entpuppt sich der Score als emotional vielschichtig und reich an Atmosphäre.
Im weiteren Verlauf hangelt sich der Film von Bug zu Bug und landet schließlich im Weißen Haus, in welchem der unterforderte TV-Techniker seinen Taschencomputer in die Kamera hält und „die Uhr tickt" murmelt. Diese Filmszene ist der Startschuss des musikalischen Höhepunkts („Evacuation" und „Firestorm"): Trillernde und überblasene Hörner, zustechende Streicher, der schon vorher zu Gehör gekommene Synthesizer – garniert mit reichlich Bass – bilden hier die Grundlage für reinen Hörgenuss. Leben, Verzweiflung, Kampf und Hoffnung haucht Arnold diesen Tracks ein durch treibenden Rhythmus, Melodie und wohlplatzierte Dissonanzen, die das Ganze organisch-improvisiert, kraftvoll und stark motilitär erscheinen lassen. Wenn „Evacuation" mit einem bedrohlich schwelenden Schnarren ausklingt, poltert sofort der „Firestorm" los, und das in einer noch nicht gekannten Markanz. Gerade hier wirkt der Score durch den starken Kontrast zwischen hohen und tiefen Tönen wie ein Dialog voller Beschimpfungen, Gewalt und Gräuel, der im Schlagabtausch (Blech – Bass – heulende Streicher) immer noch zunimmt und letzten Endes mit einem surrealem Explosionsgeräusch schlagartig zu Fall kommt. Effektvoll auch hier wieder die gigantisch geblasenen Hörner, welche die rasende Zerstörungswut der Aliens musikalisch bestens darstellen.
Die Lösung kommt erneut in der Gestalt des TV-Technikers, der mit seinem tragbarem Rechner allerlei Zauberhaftes vollführen kann. Neben dem Herausfinden geheimer Telefonnummern, dem Anzeigen des Alien-Timings und dem Bereithalten eines Computervirus besitzt dieser Zauberkasten noch die Fähigkeit, mit außerirdischen Großrechnern zu kommunizieren, diese mit einem passenden Virus zu infizieren und diese fremdartige Hochtechnologie blitzschnell lahm zu legen, was den Tod dieser Spezies zur Folge hat. Musikalisch originell unterlegt wird dieser Vorgang unter anderen mit „Jolly Roger" (Track 13); dies ist der Name des Virus´ und zugleich auch die Bezeichnung des vorletzten Tracks der CD. Ebenfalls ohne fremdartige Dissonanzen beginnt Jolly Roger entspannt, ja erlöst und freundlich, schlägt dann im Verlauf in kindlich-verspielten Tumult um, während der Soldat samt Fernsehtechniker das – im wahrsten Wortsinn – Weite suchen. Gelegentlich schimpft noch die eine oder andere gestopfte Trompete, bis das feindliche Raumschiff schließlich explodiert und dies wiederum die Vernichtung der terrestrisch befindlichen Alien-Raumschiffe besiegelt. In den „End Titles" findet sich der gesamte Score - dramaturgisch zusammengefasst und sehr unterhaltsam - in einer neunminütigen Suite wieder. Gegen Schluss zieht David Arnold noch einmal alle Register: Das aufbrausende Finale der „End Title" wird vom Chor (7:32) schon angedeutet, unterlegt mit schweren, wulstigen Streicherklängen (7:43). Dann spielt die Musik kurz auf, als gelte es, von vorne zu beginnen, ergießt sich aber dann abschließend in das lauteste und längste Crescendo der Filmmusik-Geschichte (8:34)