Aktuelles
Inhaltliches
Rubriken
Login
Specials
Demnächst

Specials
  • Alfred Schnittke (Teil 3)
Rezensionen
  • Something Wicked This Way Comes (Horner)
  • Mao's Last Dancer (Gordon)
Kurzkritiken
  • Agora (Marianelli)
Statistik
 
  • Specials: 11

  • Rezensionen: 170

  • Kurzkritiken: 119

  • CD-Tipps: 31

  • DVD-Kritiken: 16

  • Buchkritiken: 2

Rezensionen - Harry Potter and the Half-Blood Prince
 


Nicholas Hooper
-

Mitte Juli lief das mittlerweile sechste Harry-Potter-Abenteuer in den Kinos an - und das,  obwohl es eigentlich schon im November letzen Jahres hätte in die Kinos kommen sollen. Grund war der Kinostart des ersten Films der Twilight-Saga. Die Verfilmung der erfolgreichen Buchserie von Stephanie Meyer wurde mit solcher Spannung erwartet, dass es den Produzenten des Harry Potter Films sinnvoller erschien, die Premiere um ein gutes halbes Jahr zu verschieben. In Anbetracht der Abermillionen, die sich Twilight denn auchansahen, war es wohl eine gute Entscheidung ...

Weniger glücklich war es seitens der Produzenten allerdings, erneut TV-Regisseur David Yates mit der Regiearbeit zu beauftragen. War es dem Briten im Vorgänger noch gelungen Witz, Spannung, Dramatik und Action einigermaßen gut miteinander zu verknüpfen, scheiterte er am sechsten Band der Heptalogie in vielerlei Hinsicht. Dabei hätte das Buch genug Stoff geboten, um den Film spannend und packend zu gestalten, Yates beließ es jedoch bei einer bruchstückhaften Darstellung der Ereignisse. Zwischen den meisten Szenen scheint ein großes Loch zu klaffen, das den Film in viele Einzelteile reißt.

Autorin J.K. Rowling nutzt den vorletzten Band der Serie dazu, Geheimnisse um den dunklen Lord Voldemort zu lüften. Mit Hilfe von gesammelten Erinnerungen über seine Kindheit, Jugend und frühe Erwachsenenjahre wird das Innere des grausamen Zauberers beleuchtet; wie sich seine Gier nach Macht schon in jungen Jahren zeigte und immer weiter wuchs, wie er nach der Unsterblichkeit strebte und sogar einen Weg fand, diese zu erreichen. Dumbledore und Harry sehen ihn im Waisenhaus, sie besuchen das Haus seiner Eltern, sie wandern auf den Spuren des bösen Magiers, nur mit dem Ziel, einen Schwachpunkt in dessen Plan nach ewigem Leben zu finden. Von den vielen Erinnerungen, die sie erleben, werden im Film jedoch gerade mal zwei aufgegriffen. Äußerst ernüchternd, gerade hier wurde viel Potenzial verschenkt.

Der Film legt den Schwerpunkt vielmehr auf die pubertierenden Teenager und ihre Gefühlswelt. Der Großteil des Films dreht sich um die Techtelmechtel der Jugendlichen, viel von der magischen Welt bleibt nicht mehr erhalten. Es gibt sie nicht mehr, die ständig schwingenden Treppen, die lebenden Personen in den Gemälden, den düsteren verbotenen Wald, auch Unterrichtszenen werden nicht mehr so oft gezeigt wie in den Vorgängerfilmen. Der ganze Charme – besonders der der Chris Columbus Filme – ist verloren, das Bedrohliche aus Alfonso Cuarons Film zum dritten Buch ebenfalls. Was nebst einem faden Beigeschmack übrig bleibt, ist ein buntes Sammelsurium aus vereinzelt lustigen Szenen, vielen entbehrlichen Teenie-Flirt-Szenen und ein paar Actionszenen, die in ihrer Dramaturgie nicht zu überzeugen wissen.

Ganz und gar nicht überzeugt auch die Musik, die erneut der Feder Nicholas Hoopers entsprang. Die Musik präsentiert sich auf der rund 60-minütigen CD als äußerst langweilige und anspruchslose Angelegenheit. Viel zu oft greift Hooper auf bekannte Schemata zurück, ein roter Faden fehlt komplett, und an Dramaturgie und Themenarbeit lässt die Partitur ohnehin zu wünschen übrig. Viel zu oft erwartet den Hörer die gleiche Instrumentierung, die meistens aus Streichern und ein paar Holzbläsern besteht. Viel zu oft scheint ein Crescendo für Hooper die einzige Möglichkeit zu sein, um Spannung er erzeugen. Viel zu oft sind es aussagelose, belanglose und ideenlose Melodieeinfälle, die man zu hören bekommt. Viel zu selten gibt es interessante Ansätze. Ein Wunder, dass es immerhin einige gibt.

„In Noctem“ ist einer dieser Stellen, die im Vergleich mit der restlichen Partitur positiv hervorstechen. Das Stück ist für einen Chor konzipiert, der dezent von einem Glockenspiel und Pauken begleitet wird und Text auf Englisch und Lateinisch singt. Den thematischen Einfall darf man als gelungen bezeichnen, auf Fragmente des Themas greift Hooper gelegentlich zurück, ohne dieses großartig zu verarbeiten oder zu variieren.

Blass, unausgegoren und nicht wirklich im Gedächtnis hängen bleibt hingegen das Thema für Rons kleine Schwester Ginny. Es besteht lediglich aus einer Klarinettenfigur, die in unterschiedlichen Tonhöhen wiederholt wird. Dazu gibt es eine Harfe und einen Streicherteppich, der dem Thema weder Glanz, noch Wärme oder gar Romantik verleiht („Ginny“). Im Laufe der Partitur wird auf das Thema des Öfteren zurückgegriffen und es wird ein wenig hin- und her variiert, nichtsdestotrotz  bleibt aber die Melodie unspektakulär.

Ein bisschen interessanter wird es in „Ron’s Victory“: hier verwendet Hooper das Quidditch-Thema aus Williams’ Harry Potter and the Prisoner of Azkaban. Das Zitat allein macht nicht allzu viel her, denn die Dynamik und Aggressivität, die John Williams zuwege brachte, fehlt hier komplett. Da können auch die Streicherläufe nicht viel dran ändern, denn das Blech klingt eher lieblich als martialisch. Ebenfalls lauter wird die Musik in „Journey To The Cave“, das nach einem recht harmonischen Beginn langsam Spannung aufbaut – während sich im Hintergrund der Frauenchor aus „In Noctem“ zu Wort meldet –, indem die Streicher einen Staccato-Rhythmus spielen. Das ganze mündet in einen durchaus gelungenen Höhepunkt, mit elegisch angehauchten Trompeten. Der Rest des Tracks besteht leider aus nur entbehrlicher Suspensemusik.

Ein wenig befremdlich mag einem der musikalische Ausflug nach Schottland erscheinen, zumal man beim Tod einer Riesenspinne keine traurige Melodie mit schottischen Einschlägen erwartet. Hooper gelingt es dennoch Emotionen in der Musik widerzuspiegeln. Für einen noch krasseren Bruch im Hörfluss sorgt „Wizard Wheezes“: der jazzige Track besticht aber für sich genommen immerhin mit seinen Trompeten, seinem locker-leichtem Flair und ein paar interessanten Soli.

Zweimal greift Hooper auf Material aus der Vorgängerpartitur zurück, im allerletzten Stück „The Weasly Stomp“ z. B. auf die Melodie aus „Fireworks“, dabei verzichtet er aber auf den Einsatz einer E-Gitarre. Es bleiben also Streicherläufe und Perkussion übrig, was gar nicht mal so schlecht klingt. Ganz und gar irritierend ist allerdings der plötzlich Einsatz des Umbridge-Themas, wo doch die die gute Dame die Schule unlängst verlassen hat („Living Death“).

Der Hörfluss des gesamten Albums erlahmt durch die vielen langatmigen Streicherpassagen stark, die Klanqualität ist jedoch nicht von schlechten Eltern. Nach 60 mehr beziehungsweise meist weniger spannenden Minuten bleibt im Ohr nicht viel hängen. Kürzt man die CD um vier Fünftel, kommt etwas heraus, was man beinahe als gut bezeichnen könnte. Empfehlen kann man die Musik wohl kaum, lediglich Hooper-Fanatiker dürften hier auf ihre Kosten kommen. Zugleich dürften sie aber enttäuscht sein, denn Hooper hat angekündigt, an den kommenden zwei Harry Potter Filmen nicht mehr mitwirken zu wollen. Vielleicht, darf man auf eine Rückkehr von John Williams hoffen ...


Ludwig Hollmann, 27.11.2009
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

2 von 6 Punkten


I. Die Alben

-OST-

Spielzeit:
6 von 6 Punkten
Klangqualität:
5 von 6 Punkten
Schnitt:
2 von 6 Punkten
Begleittexte:
2 von 6 Punkten

Unterhaltung:
2 von 6 Punkten
Anspruch:
1 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 14.08.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.