Nicholas Hooper -
Weniger glücklich war es seitens der Produzenten allerdings,
erneut TV-Regisseur David Yates mit der Regiearbeit zu beauftragen. War es dem
Briten im Vorgänger noch gelungen Witz, Spannung, Dramatik und Action
einigermaßen gut miteinander zu verknüpfen, scheiterte er am sechsten Band der
Heptalogie in vielerlei Hinsicht. Dabei hätte das Buch genug Stoff geboten, um
den Film spannend und packend zu gestalten, Yates beließ es jedoch bei einer
bruchstückhaften Darstellung der Ereignisse. Zwischen den meisten Szenen
scheint ein großes Loch zu klaffen, das den Film in viele Einzelteile reißt. Autorin J.K. Rowling nutzt den vorletzten Band der Serie
dazu, Geheimnisse um den dunklen Lord Voldemort zu lüften. Mit Hilfe von
gesammelten Erinnerungen über seine Kindheit, Jugend und frühe Erwachsenenjahre
wird das Innere des grausamen Zauberers beleuchtet; wie sich seine Gier nach
Macht schon in jungen Jahren zeigte und immer weiter wuchs, wie er nach der
Unsterblichkeit strebte und sogar einen Weg fand, diese zu erreichen.
Dumbledore und Harry sehen ihn im Waisenhaus, sie besuchen das Haus seiner
Eltern, sie wandern auf den Spuren des bösen Magiers, nur mit dem Ziel, einen
Schwachpunkt in dessen Plan nach ewigem Leben zu finden. Von den vielen
Erinnerungen, die sie erleben, werden im Film jedoch gerade mal zwei
aufgegriffen. Äußerst ernüchternd, gerade hier wurde viel Potenzial verschenkt. Der Film legt den Schwerpunkt vielmehr auf die
pubertierenden Teenager und ihre Gefühlswelt. Der Großteil des Films dreht sich
um die Techtelmechtel der Jugendlichen, viel von der magischen Welt bleibt
nicht mehr erhalten. Es gibt sie nicht mehr, die ständig schwingenden Treppen,
die lebenden Personen in den Gemälden, den düsteren verbotenen Wald, auch
Unterrichtszenen werden nicht mehr so oft gezeigt wie in den Vorgängerfilmen. Der
ganze Charme – besonders der der Chris Columbus Filme – ist verloren, das
Bedrohliche aus Alfonso Cuarons Film zum dritten Buch ebenfalls. Was nebst
einem faden Beigeschmack übrig bleibt, ist ein buntes Sammelsurium aus
vereinzelt lustigen Szenen, vielen entbehrlichen Teenie-Flirt-Szenen und ein
paar Actionszenen, die in ihrer Dramaturgie nicht zu überzeugen wissen. Ganz und gar nicht überzeugt auch die Musik, die erneut der
Feder Nicholas Hoopers entsprang. Die Musik präsentiert sich auf der rund
60-minütigen CD als äußerst langweilige und anspruchslose Angelegenheit. Viel
zu oft greift Hooper auf bekannte Schemata zurück, ein roter Faden fehlt
komplett, und an Dramaturgie und Themenarbeit lässt die Partitur ohnehin zu wünschen
übrig. Viel zu oft erwartet den Hörer die gleiche Instrumentierung, die
meistens aus Streichern und ein paar Holzbläsern besteht. Viel zu oft scheint
ein Crescendo für Hooper die einzige Möglichkeit zu sein, um Spannung er
erzeugen. Viel zu oft sind es aussagelose, belanglose und ideenlose
Melodieeinfälle, die man zu hören bekommt. Viel zu selten gibt es interessante
Ansätze. Ein Wunder, dass es immerhin einige gibt.
Blass, unausgegoren und nicht wirklich im Gedächtnis hängen bleibt
hingegen das Thema für Rons kleine Schwester Ginny. Es besteht lediglich aus
einer Klarinettenfigur, die in unterschiedlichen Tonhöhen wiederholt wird. Dazu
gibt es eine Harfe und einen Streicherteppich, der dem Thema weder Glanz, noch Wärme
oder gar Romantik verleiht („Ginny“). Im Laufe der Partitur wird auf das Thema des
Öfteren zurückgegriffen und es wird ein wenig hin- und her variiert, nichtsdestotrotz
bleibt aber die Melodie unspektakulär. Ein bisschen interessanter wird es in „Ron’s Victory“: hier verwendet Hooper
das Quidditch-Thema aus Williams’ Harry Potter and the Prisoner of Azkaban. Das Zitat
allein macht nicht allzu viel her, denn die Dynamik und Aggressivität, die John
Williams zuwege brachte, fehlt hier komplett. Da können auch die Streicherläufe
nicht viel dran ändern, denn das Blech klingt eher lieblich als martialisch. Ebenfalls
lauter wird die Musik in „Journey To The Cave“, das nach einem recht
harmonischen Beginn langsam Spannung aufbaut – während sich im Hintergrund der
Frauenchor aus „In Noctem“ zu Wort meldet –, indem die Streicher einen Staccato-Rhythmus
spielen. Das ganze mündet in einen durchaus gelungenen Höhepunkt, mit elegisch
angehauchten Trompeten. Der Rest des Tracks besteht leider aus nur entbehrlicher
Suspensemusik. Ein wenig befremdlich mag einem der musikalische Ausflug nach
Schottland erscheinen, zumal man beim Tod einer Riesenspinne keine traurige
Melodie mit schottischen Einschlägen erwartet. Hooper gelingt es dennoch
Emotionen in der Musik widerzuspiegeln. Für einen noch krasseren Bruch im
Hörfluss sorgt „Wizard Wheezes“: der jazzige Track besticht aber für sich
genommen immerhin mit seinen Trompeten, seinem locker-leichtem Flair und ein
paar interessanten Soli.
Der Hörfluss des gesamten Albums erlahmt durch die vielen langatmigen Streicherpassagen stark, die Klanqualität ist jedoch nicht von schlechten Eltern. Nach 60 mehr beziehungsweise meist weniger spannenden Minuten bleibt im Ohr nicht viel hängen. Kürzt man die CD um vier Fünftel, kommt etwas heraus, was man beinahe als gut bezeichnen könnte. Empfehlen kann man die Musik wohl kaum, lediglich Hooper-Fanatiker dürften hier auf ihre Kosten kommen. Zugleich dürften sie aber enttäuscht sein, denn Hooper hat angekündigt, an den kommenden zwei Harry Potter Filmen nicht mehr mitwirken zu wollen. Vielleicht, darf man auf eine Rückkehr von John Williams hoffen ... Ludwig Hollmann, 27.11.2009 Details zum Soundtrack I. Die Musik
I. Die Alben -OST-
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„In Noctem“ ist einer dieser Stellen, die im Vergleich mit
der restlichen Partitur positiv hervorstechen. Das Stück ist für einen Chor
konzipiert, der dezent von einem Glockenspiel und Pauken begleitet wird und Text
auf Englisch und Lateinisch singt. Den thematischen Einfall darf man als
gelungen bezeichnen, auf Fragmente des Themas greift Hooper gelegentlich
zurück, ohne dieses großartig zu verarbeiten oder zu variieren.
Zweimal greift Hooper auf Material aus der Vorgängerpartitur
zurück, im allerletzten Stück „The Weasly Stomp“ z. B. auf die Melodie aus
„Fireworks“, dabei verzichtet er aber auf den Einsatz einer E-Gitarre. Es
bleiben also Streicherläufe und Perkussion übrig, was gar nicht mal so schlecht
klingt. Ganz und gar irritierend ist allerdings der plötzlich Einsatz des
Umbridge-Themas, wo doch die die gute Dame die Schule unlängst verlassen hat
(„Living Death“).