Metereologen und Klimaforscher zerbrechen sich den Kopf über die ungewisse Zukunft unseres Heimatplaneten – globale Erderwärmung, Treibhauseffekt und Klimakatastrophe sind hierbei die zentralen Stichwörter, die nun auch die Traumfabrik zu neuen, groß budgetierten Endzeit-Katastrophenthrillern inspirieren. Der erste Regisseur, der gewaltige Tornados über Los Angeles fegen lässt und New York in eine arktische Eiswüste verwandelt, ist der aus Süddeutschland stammende Erfolgsregisseur Roland Emmerich, dessen filmisches Œuvre bis jetzt fast ausschließlich von gigantischen Zerstörungsorgien und effektgetränkten Materialschlachten geprägt ist. Wir hatten Außerirdische, die den Wohnsitz des US-Präsidenten dem Erdboden gleichmachten, wir hatten eine mutierte Riesenechse, die halb New York in Schutt und Asche legte, doch im Falle von Emmerichs neuester Kreation, dem thematisch brisanten Öko-Thriller The Day After Tomorrow, geht die Bedrohung von einem viel heimtückischeren Feind aus, von unserer Natur selbst. Ob Tornados, riesige Tsunamis oder tödliche Eisstürme – Wetterfühlige sollten sich diesen Film lieber nicht anschauen.
Zwar sind die zerstörerischen, mit modernsten CGI-Effekten auf die Leinwand gezauberten Naturgewalten die wahren Hauptdarsteller des Films, doch auch an menschlicher Starbesetzung mangelt es der filmischen Apokalypse des „Spielbergle aus Germany" nicht: neben Dennis Quaid und dem durch das gelungene Psychodrama Donnie Darko bekannt gewordenen Jake Gyllenhall agieren Sela Ward und Charakterdarsteller Ian
Holm. Für die entsprechende musikalische Untermalung des stürmischen Spektakels war jedoch ein bislang eher wenig bekannter Komponist zuständig: der Österreicher Harald Kloser, der außer dem Cyberthriller The 13th Floor und Joseph Vilsmaiers Bühnendrama Marlene bis jetzt noch keine größeren Filmprojekte betreut hatte, komponierte zu Emmerichs Film in Zusammenarbeit mit seinem Co-Komponisten Thomas Wanker den orchestralen Score, der seit dem 24. Mai in heimischen Landen auf CD erhältlich ist.
Leider jedoch lässt sich über Klosers recht mediokere Untermalung nicht viel Positives berichten. Die 38 Minuten Musik des Varèse-Albums präsentieren sich als relativ blasse, wenig eigenständige Hörangelegenheit, die stilistisch irgendwo zwischen den seichten Melodielinien eines John Barry und den substanzlosen Klangschichtungen der Kompositionen aus dem Hause Media Ventures umherpendelt, ohne dabei sonderlich weitreichende Originalität oder Inspiration erkennen zu lassen. Sicher finden sich hin und wieder einige solide Momente, allerdings sind diese viel zu rar gesät, um der Musik das Prädikat „empfehlenswert" zugestehen zu können. Klosers Komposition stützt sich auf ein ruhiges, von unisonen Bläser- und Streichersätzen geprägtes Hauptthema, das jedoch leider nur vereinzelt im Score auftaucht und dem auch insgesamt enttäuschend wenig abgewonnen wird. In den Tracks The Day After Tomorrow und President's Speech finden sich diesbezüglich die klangschönsten Verwendungen des Themas, wobei hier die simple Melodieführung und die dauernden Wiederholungen des Grundmotivs das Hörvergnügen doch etwas trüben.
Auch die seltenen, kaum motivisch durchdrungenen Actionpassagen des Scores hinterlassen einen eher zwiespältigen Eindruck: simple Percussion-Crashs, hämmernde Klavier-Akkorde und repetitive Synthesizer-Ostinati bestimmen das Klangbild der beiden zentralen Actioncues „Tidal Wave" und „Superfreeze", die den durch eine riesige Flutwelle verursachten Untergang New Yorks und das anschließende, blitzschnelle Schockgefrieren der US-Metropole untermalen – besonders hier ist die Media Ventures-nahe Konzeption der Musik sehr auffallend, erfahrene Hörer werden auch auf vereinzelte stilistische Anlehnungen an Danny Elfmans markante Actionfilmvertonungen der letzten Jahre (Planet of the Apes, Spider-Man) stoßen. Zwar hinterlassen der fehlende Personalstil und die simple Ausarbeitung insbesondere der Actioncues insgesamt einen eher negativen Eindruck, allerdings sollte trotz aller Kritik auch erwähnt werden, dass einige Passagen des Scores wenigstens einen recht passablen Unterhaltungswert besitzen und durch ihren Wohlklang den ein oder anderen Hörer zumindest ansatzweise zufrieden stellen könnten (erwähnt seien hier unter anderem die Cues „Sam!", „Body Heat" und „Hall's Plan", sowie auch die bereits oben erwähnten klangschönen Einsätze des Hauptthemas).
Unterm Strich handelt es sich somit bei Harald Klosers The Day After Tomorrow (trotz 8 Orchestratoren und einem Co-Komponisten) um ein reichlich unspektakuläres Hörerlebnis, das als nettes Filmsouvenir zwar durchaus seine Berechtigung hat, ansonsten aber nur wenige Kaufanreize bietet – bei großzügigen 2,5 Punkten kann man es somit belassen. Letztlich bleibt wohl nur noch zu hoffen, dass sich Kloser bei seinem nächsten großen Projekt, dem von Paul Anderson inszenierten Sci-Fi-Actionthriller Alien Vs. Predator, ein wenig mehr Mühe geben wird und sich etwas inspirierter zeigt.
Sebastian Schwittay, 28.05.2004
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