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Rezensionen - I, Robot
 


Marco Beltrami
-

Nach Alpen-Arnis wohl letztem großen Kinohit Terminator 3 - Rise of the Machines und der (leider) etwas abstrusen, in den USA jedoch äußerst erfolgreichen Comic-Verfilmung Hellboy geht es für den momentan keineswegs unterbeschäftigten Komponisten Marco Beltrami zügig weiter auf der Blockbusterschiene: Sein neuestes Projekt war nun die Vertonung des futuristischen Sci-Fi-Krachers I, Robot von Regisseur Alex Proyas, in dem intelligente Roboter einen groß angelegten Aufstand gegen ihre menschlichen Erbauer starten. Hauptdarsteller Will Smith und die bahnbrechenden Special Effects des Spektakels dürften wohl auch dieses Mal für volle Kinokassen sorgen und auch Beltrami darf sich freuen, so findet sich nun ein weiterer immens erfolgreicher Film in seiner stetig anwachsenden Filmographie.

Erneut nahm sich Varèse Sarabande der Veröffentlichung von Beltramis Untermalung an und präsentiert den knapp 45-minütigen, von der Hollywood Studio Symphony eingespielten Score-Auszug (wie gewohnt) in glasklarem, nahezu perfektem Klang.

Bei genauerer Beschäftigung mit der Musik wird dem erfahrenen Hörer jedoch auffallen, dass I, Robot trotz seiner Qualitäten nicht ganz an Beltramis letzte, äußerst facettenreiche und clever ausgearbeitete Tonschöpfung zu Hellboy heranreicht. Ungleich tempo- und actionreicher präsentiert sich der Score zum Roboter-Thriller und steht in seinem Charakter somit eher der volltönenden Terminator 3-Partitur aus dem letzten Jahr nahe. Die Verarbeitung des vielfältig im Score eingesetzten I, Robot-Hauptthemas kann zwar überzeugen, die stilistische Vielseitigkeit der Hellboy-Musik wird allerdings nicht erreicht.

 

Auch der Synthesizer wird dieses Mal weitaus weniger sparsam verwendet, obgleich dessen Klänge durchaus sehr kreativ und einfallsreich mit den orchestralen Anteilen vermengt wurden. Somit verkommt die synthetische Note des Scores glücklicherweise nicht zu einer banalen Ansammlung nichtssagender Background-Beats, wie man sie in zahlreichen Filmuntermalungen jüngeren Datums des Öfteren zu Gehör bekommt. Viel mehr machen die oft befremdlich wirkenden synthetischen Sounds im Bezug auf die Filmhandlung auch dramaturgischen Sinn, so charakterisieren sie gelungen das sterile Wesen der hochintelligenten Kunstmenschen.

 

Erneut zeigt sich in I, Robot auch die markante Anlehnung Beltramis an die Vertonungstechniken seines Mentors Jerry Goldsmith, nicht nur in der Stilistik des archaisch-wilden Actionscorings, auch im bereits angedeuteten, dramaturgisch stringenten und stark themenorientierten Aufbau der Musik:

Der Score beginnt recht unspektakulär mit den nur knapp eineinhalbminütigen „Main Titles", die jedoch bereits die motivische Keimzelle des zentralen I, Robot-Hauptthemas beinhalten. Im Verlauf des Scores wird dieser melodische Gedanke kontinuierlich weiterentwickelt, bis er schließlich in den End Credits (Track 3 auf dem Album) zu einem dramatischen, desolaten Thema gesteigert wird. Sehr reizvoll fallen auch die Parts der elektronisch verstärkten Solo-Violine aus, so etwa im letzten Track „Round Up", in dem das Hauptthema in ruhigeren Variationen sehr klangschön vorgetragen wird. Zwar kann die Melodie nicht zu Beltramis größten thematischen Einfällen gezählt werden, aber immerhin entwickelt das Thema nach mehrmaligem Genuss des Albums nicht zu leugnenden Hörcharme. Ein weiteres Motiv, das sich aus den Grundstrukturen der „Main Titles" entwickelt und folglich auch einige Ähnlichkeiten zum Hauptthema des Scores aufweist, findet sich im Track „Chicago 2035", der das Motiv in Kombination mit Goldenthal-ähnlichen, auf- und absteigenden Streicherfiguren und episch-kraftvollen Bläsersätzen präsentiert. In den Actiontracks „Gangs of Chicago" und „Tunnel Chase" wird dieses Motiv schließlich auch phrasenweise zu einem aggressiven Actionthema erweitert.

Ein ärgerliches Manko der Varèse-Veröffentlichung stellt jedoch der verwirrende Albumschnitt dar, der die Stücke in vollkommen unchronologisch zusammengewürfelter Reihenfolge präsentiert und somit die gelungene Dramaturgie der Komposition (fortdauernde Entwicklung des Hauptthemas aus einer Keimzelle, bis hin zur Endform in Track 3) für den Hörer nicht mehr direkt erkennbar macht.

Der gelungenen Musik an sich tut dies keinen Abbruch - trotz einiger weniger Durchhänger im Albumschnitt (etwa in den vielversprechend betitelten, aber musikalisch weniger gehaltvollen Cues „Dead Robot Walking" und „1001 Robots") bewegt sich Beltramis Musik qualitativ immer noch weit über den heutigen Vertonungsstandards im Science-Fiction- und Actiongenre und kann auch ohne Zweifel als eine der interessantesten Filmmusiken des Sommers bezeichnet werden. Insbesondere aufgrund der gekonnt ausgetüftelten Dramaturgie des Scores und der durchgehend überzeugenden thematisch-motivischen Arbeit kann letztlich eine klare Kaufempfehlung in Form von vier Punkten ohne größere Vorbehalte ausgesprochen werden.
Sebastian Schwittay, 30.07.2004


Details zum Soundtrack



I. Die Musik

4 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
3 von 6 Punkten
Klangqualität:
5 von 6 Punkten
Schnitt:
2 von 6 Punkten
Begleittexte:
4 von 6 Punkten

Unterhaltung:
4 von 6 Punkten
Anspruch:
4 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 19. 1. 2013 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2013.