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Filmkommentar: Ghostrider 2
 

 

Ghostrider 2

Eine Filmkritik von Simone Bet

 
Es gibt Zeiten, da ist es nicht leicht, Filmkritiker zu sein. So wie damals, als ich erfuhr, für eine Pressevorführung der neusten Marvel-Comics-Verfilmung Ghostrider 2 eingeladen worden zu sein. Schon machte sich bei mir Panik breit und die verzweifelte Suche nach Ausreden, um den Termin nicht wahrnehmen zu können, begann – war doch der erste Teil bereits von selten erreichter Unerträglichkeit. Als jedoch ein von mir sehr geschätzter, wenngleich sehr sadistischer, Kollege auf mich zukam und mir mit suggestiver Schweinestimme sagte „Du, der Film ist aber in 3D!“, da ergriff eine gewisse Neugierde und sogar etwas Hoffnung Besitz von mir. Immerhin ist der Film in 3D, das bedeutet doch, dass zumindest das Studio an den Film glaubt, oder? Könnte es wirklich sein, dass hier jemand aus den Fehlern des ersten Ghostrider gelernt hat? Verdrängt waren von da an die bösen Geister des ersten (unsäglichen) Teils und ich entschloss mich, den Termin wahrzunehmen. 

Der Empfang bei der Pressevorführung war eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Meine Euphorie bekam sofort einen herben Dämpfer, als ich erfuhr, es handle sich bei dem Film lediglich um konvertiertes 3D Kino und die Produktion habe während der Dreharbeiten unter einer starken Budgetkürzung zu leiden gehabt. Da brach bei mir erst einmal Panik aus. Zu spät! Ich war ihnen in die Falle gegangen und der Ausgang wurde zu diesem Zeitpunkt bereits von zwei recht finster dreinschauenden Security-Leuten versperrt. Keine Chance! Ich wusste, dass ich da nicht raus kommen würde, ohne diesen Film vorher gesehen zu haben. Milde stimmte mich wiederum, dass man uns zum Empfang Erfrischungen und Knuspergebäck bereit gelegt hatte. Die Tatsache, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, uns zumindest ein Presseheft zur Verfügung stellen, lies mich den netten Aperitif aber schon gleich wieder vergessen und meine beruhigenden Gedanken wichen erneut der Angst vor dem drohenden Hauptgang:

Der Film startet und ich bin positiv überrascht. Mit einem Cold opening und der darauf folgenden Titelsequenz, präsentiert sich der Film seinem Publikum stilsicher und handwerklich solide. Leider waren zu diesem Zeitpunkt bereits alle positiven Elemente verbraucht und mit jeder verstreichenden Minute und der Einführung neuer Elemente mehrten sich die Mäkel exponentiell.

Die Story ist schnell zusammengefasst: Nadya (Violante Placido) und ihr Sohn Danny (Fergus Riordan) sind auf der Flucht vor dem Kindsvater, der, ganz nebenbei bemerkt, der leibhaftige Teufel (Ciaràn Hinds) ist. Dieser plant nämlich ein großes Comeback auf der Erde und braucht dafür seinen irdisch geborenen Sprössling. Nadya, die dieses Familientreffen unbedingt vermeiden will, wendet sich Hilfe suchend an den Priester Moreau (Idris Elba), der sich wiederum Hilfe suchend an den Ghostrider (Nicolas Cage) wendet. Der Ghostrider sieht in der Erfüllung dieser Mission die einmalige Gelegenheit, sich endgültig von seinem Fluch zu befreien und stellt sich als Beschützer des jungen Danny zur Verfügung. Von hier an beginnt eine wilde Verfolgungsjagd, die durch halb Europa führt.

Der Film geizt insgesamt ein wenig mit seinen Action-Sequenzen, stattdessen war man eher sehr darum bemüht, den Geist des Comics einzufangen und ein glaubhaftes Umfeld sowie eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Hier kann sich der aufmerksame Leser, beziehungsweise der Leser, der in seinem Schulzeugnis schon mal den Vermerk „sehr bemüht“ gelesen hat, bereits denken, worauf ich mit dieser Formulierung hinaus will. Der Film scheitert nämlich an zwei Hürden: Auf der einen Seite haben wir Schauspieler, die einem sofort die Worte „Fehlbesetzung“ und „belanglos“ durch den Kopf gehen lassen, und auf der anderen Seite zwei Regisseure, die es über die ganze Laufzeit des Films nicht schaffen, diese etwas Interessantes tun zu lassen.

Man nehme zum Beispiel Nicolas Cage. Wer seine Filme kennt, der weiß, dass dieser Schauspieler nur in ganz bestimmten Kontexten funktioniert und er einen guten Regisseur braucht, der in der Lage ist, seine wenigen Stärken an die Oberfläche zu bringen. Dies haben Mark Neveldine und Brian Taylor nicht geschafft und offensichtlich Nicolas Cage erlaubt zu tun, was er will, da diesem während des ganzen Films nichts Besseres einfällt, als die ganze Zeit zu schreien: „Ich bin ein schlechter Schauspieler“ – könnte aber auch Subtext gewesen sein, ich weiß es nicht mehr genau.

Obwohl Cages Overacting-Parade noch einen gewissen (unfreiwilligen) Unterhaltungswert hat, kommt trotzdem einfach kein richtiger Spaß beim Zuschauer auf. Dafür sind die anderen Figuren viel zu blass und langweilig. Exemplarisch hierfür ist der Teufel, dessen interessanteste Handlung im gesamten Film darin besteht, seinen Lakaien Carrigan (Johny Withworth) in etwas zu verwandeln, was erstaunlich viel Ähnlichkeit mit David Lee Roth hat – na, wer kennt ihn noch? Ähnlich wie der Rocksänger hat der plötzlich blonde Carrigan nun die Fähigkeit, Alles, was er berührt zu verderben, was ihn zum gefährlichsten Widersacher des Ghostriders macht. Es kommt zwischen den beiden Figuren sogar zu ein Paar guten Szenen im Showdown und man fragt sich dann wirklich, ob Carrigans dämonische Wandlung nicht bereits früher hätte kommen dürfen.

Des Weiteren beinhaltet der Film keine zusätzlichen Überraschungen. Der einzige „Twist“, mit dem uns der Film packen will, ist für den Zuschauer in etwa so unerwartet und überraschend wie die Identität des Mörders in einer Folge „Columbo“. Umso erstaunlicher, dass man hierfür, völlig sinnloser Weise, Christopher Lambert aus dem Karrieregrab exhumiert hat – na, wer kennt ihn noch?

Jetzt kommt der Teil, in dem ich üblicher Weise sagen müsste, dass wenigstens die Action gut ist – aber sie ist es nicht! Seltsame Schnitte und ewig lange Einstellungen nehmen das Tempo heraus. Das ist sehr schade, da die CGI-Effekte wesentlich besser sind, als sie es im Vorgänger waren. Leider machen sich hier die Budgetkürzung am deutlichsten bemerkbar und der Zuschauer bekommt zunehmend den Eindruck, die besten Szenen bereits im Trailer gesehen zu haben. Immerhin bietet der Endkampf gegen Carrigan ein Paar Szenen, die mich zumindest versöhnlich gestimmt haben.

Fazit: Leichte Comic-/Action-Kost, für den allesverzeihenden Fan. Budgetkürzung und schlechte Regie verhindern, dass der Film zumindest solide werden konnte. All denen, die noch warten wollen und sich nicht von der Aufschrift „3D“ locken lassen – der 3D Preisaufschlag ist sein Geld absolut nicht wert –,empfehle ich, auf die Veröffentlichung der DVD-/BluRay zu warten.

Als der Film zu Ende war, kam ich nicht umhin zu denken, dass man mit etwas mehr Konsequenz und Vertrauen einen zumindest passablen Film hätte abliefern können. Leider war von den Betreuern niemand für meine Kritik empfänglich. Stattdessen schauten sie mich mit resignierten Gesichtern an, als wollten sie mir sagen „Sorry, aber die Studios wollten hier nur mal das schnelle Geld machen!“ Mit Besorgnis hatte diese Erfahrung ihren Anfang genommen und mit Besorgnis wurde ich aus ihr entlassen. Besorgnis, die sich vor Allem in zwei Fragen widerspiegelt:

Sind die Schlagwörter „3D“ und „Comicverfilmung“ ausreichend, um die Leichtgläubigen und Anspruchslosen ins Kino zu treiben? Und: ist ein kommerzieller Erfolg dieses Films ein weiterer Freibrief für andere halbgare Produktionen?

Die Antworten werden uns die Kinokassen geben. (23. 4. 2012)

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