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Filmkommentar: Avatar - Aufbruch nach Pandora
 

"You are not in Kansas anymore. You are on Pandora, ladies and gentlemen"

Warum Avatar als Cameron-Film enttäuscht, aber dennoch ein neues Franchise begründen wird.

Ein Kommentar von Oliver M. Strate


„Star Wars ist der Film, den ich immer machen wollte“, so Regisseur James Cameron in einem Interview. Und wie es ausschaut, hat er mit Avatar jetzt die Möglichkeit gefunden, ein ähnliches Franchise  zu etablieren. Camerons ganz großer Legokasten: ein eigenes cineastisches Universum erfinden, und dabei George Lucas‘ Geniestreich übertrumpfen. Davon träumt Cameron seit Anbeginn seiner Karriere!

Da Avatar allen Unkenrufen zum Trotz am ersten Wochenende erfolgreich gestartet ist, ließ Cameron schon  am 23.12. verlauten, aus Avatar eine Trilogie stricken zu wollen. Wobei  Termine und Drehbücher noch nicht feststehen ...

Aber  zurück zum aktuellen Film, der seit 17. Dezember die Kinos brummen lässt. Eingefleischte Cameron-Fans werden die Handschrift  ihres Lieblingsregisseurs nur schwer wiedererkennen. Seine aus früheren Filmen bekannte straffe Dramaturgie und seine resolute Bildsprache  mussten aus zwei Gründen weichen.

Denn erstens gehorcht ein 3D-Film anderen dramaturgischen Gesetzen. Bei Innenaufnahmen sollte sich die Kamera nur langsam (sprich: behäbig) bewegen, damit der Zuschauer auch kleinere, in das Bild wandernde Details, gut erkennen kann. Dies wirkt sich automatisch auch auf den deutlich verzögerten Bildschnitt aus.

Zweitens wollte Cameron  insgeheim seinen Titanic-Erfolg übertrumpfen, indem er die Handlung den weiblichen Zuschauern noch stärker  anpasst. So dominiert neben der Liebesgeschichte allerlei Naturzauber, und insgesamt eine Atmosphäre, die gerne als Esoterik bezeichnet wird. Fetzige Schusswechsel, explodierende Tanklaster oder bedrohliche Soundeffekte wären in Camerons Traumwelt in der Tat auch fehl am Platze.

Diese beiden Aspekte sind nicht zu unterschätzen und könnten dem Nachruhm des Filmes schaden: Cameronfans wollen keinen Film, der die Handschrift des Meisters vermissen lässt. Und der krampfhafte Versuch, möglichst viele Zuschauerinnen zu gewinnen, scheitert schon daran, dass das Liebespaar  zu steril  (in der Optik, weniger im Schauspiel) und der Film  technisch zu verspielt ausfällt.

Somit ist Avatar in Anbetracht dessen, was der Regisseur erreichen wollte, gescheitert.

Ganz real  hingegen ist es James Cameron gelungen, ein neues, frisches, vielversprechendes Franchise ins Leben zu rufen. Der Film wird sein Geld mühelos wieder einspielen, und sicher werden fast alle Zuschauer das Kino zufrieden verlassen. Meine Prognose für eine der Fortsetzungen: Cameron besinnt sich auf seine Wurzeln. Avatar 2 wird nicht in 3D, sondern traditionell abgefilmt. Ganz in der Art von Aliens – Die Rückkehr

(29.12.2009)
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