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CD-Tipps - Egyptian, The
25.11.2004

Egyptian, The - Bernard Herrmann / Alfred Newman
Marco Polo / 1999
30 Tracks / 71:04 min

Ein terminlicher Engpass führte 1954 bei der Entstehung von The Egyptian, einem groß angelegten Cinemascope-Film der Fox, zu einer der glücklichsten filmmusikalischen Fügungen des Golden Age: Weil Al Newman (Topkomponist und gleichzeitig Chef der Fox-Musikabteilung) bereits mit dem Arrangement des Musical-Films There's No Business Like Showbusiness beschäftigt war, wurde das Prestige-Projekt des Studios schließlich seinem langjährigen Freund Bernard Herrmann anvertraut. Um Studio-Boss Darryl F. Zanuck  einen Gefallen zu tun, schrieb Newman, noch während er an Show Business arbeitete, einige Themen für The Egyptian, auf deren Basis Herrmann seine Cues entwickelte. Sobald Newman seine Arbeit am Musical endgültig abgeschlossen hatte, schlug Herrmann vor, den Score gemeinsam zu Ende zu schreiben. 

The Egyptian (dt. Sinuhe der Ägypter) gilt als ein hervorragend ausgestattetes, wenn auch mittlerweile etwas angestaubtes Relikt seiner Zeit. In der Verfilmung eines Romans von Mika Waltari geht es um den ägyptischen Arzt und Philosophen Sinuhe, der während der Regierungszeit Echnatons (etwa 2000 vor Christus) zu einer Schlüsselfigur am Hofe des Pharaos aufsteigt und persönlichen Triumph ebenso wie höfische Intrigen durchlebt ...

 

Trotz inszenatorischer und schauspielerischer Schwächen eignete sich The Egyptian hervorragend als Vorlage für eine mit üppigen Orientalismen und Lyrizismen ausgestattete Filmmusik, die trotz des grundverschiedenen Personalstils ihrer Komponisten nie auch nur im Entferntesten auseinander zu fallen droht. Ungewöhnlich ist in der Musik das fast vollständige Fehlen prätentiösen Bombasts: Obwohl die Orchestrierung stets ausladend ist, stellen Fortissimi, die lediglich in dramatischen Schlüsselszenen eingesetzt werden, die Ausnahme dar. Zentrale Bestandteile der Partitur sind vielmehr ausgedehnte, von Holzbläsern und Streichern dominierte Variationszyklen, etwa das filigran-innozente „Nefer-Nerfer-Nerfer" (Herrmann) oder das melancholische Liebesthema in „Valley of the Kings". Gar noch eindrucksvoller fällt die exotische, inbrünstig zelebrierte „Hymn to Aton" aus: Der reichhaltige, auf dem überlieferten Anbetungsritus basierende Hymnus für Chor und Orchester gehört zu den klangprächtigsten und ungewöhnlichsten Werken Newmans – und zweifellos ebenso zu den eindrucksvollsten Vokalstücken der Filmmusik. 

Sämtliche Highlights von The Egyptian aufzuzählen, erscheint letztlich unmöglich. So zeichnen sich insbesondere die von Herrmann komponierten Sequenzen durch eine fesselnde Dramatik aus. Zu nennen ist hier vor allem das aufwühlende, von chromatischen  Blechbläser-Läufen und großem Chor getragene „Prelude", aber ebenso der musikalisch durch kontrastierende Fanfaren von Horn und Trompete rasant umgesetzte Streitwagenritt des Films („The Chariot Ride", „Pursuit"). Das von Newman beigesteuerte, im Tonfall überwiegend feierlich-getragene Finale bildet dazu in kongenialer Weise einen Kontrast: Der Komponist arbeitet dort fast durchgängig mit dem würdevollen Signaturthema des Scores, das die Musik im „Prelude" eröffnet und im Track „Exile and Death" mit einer langgezogenen Klimax beschließt.

 

Zwar wurde die Originalaufnahme von The Egyptian vor einigen Jahren von FSM wiederveröffentlicht, doch sollten Interessierte zunächst zur hervorragend klingenden, interpretatorisch wie editorisch ausgezeichneten Neueinspielung des Scores greifen, die William Stromberg 1999 mit dem Moskauer Sinfonieorchester vorgenommen hat. Eine Enttäuschung ist hier, sowohl was die Musik als auch ihre Präsentation angeht, beinahe ausgeschlossen: Die einzige Zusammenarbeit zweier großer Filmmusik-Titanen ihrer Zeit geriet wenig überraschend zu einer der schauprächtigsten und farbigsten Filmmusiken des Golden Age.

Interview mit William Stromberg über The Egyptian (in Englisch) 


Jonas Uchtmann, 25.11.2004

6 von 6 Punkten
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